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Vom Hamsterrad in den Garten der Freiheit

"Vom Systemtrottel zum Wutbürger?" ist ein Appell an uns alle: Wir sollen unser Hamsterrad verlassen und uns das schöne Leben zurückholen, fordern zwei heimische Philosophen.

MARIE LISA PICHLER
veröffentlicht in Kleine Zeitung vom 18. September 2011

 

 

Es geht uns doch ganz gut, oder? Wir Westeuropäer leben in der gerechtesten Welt, die es je gegeben bat. Es gibt keine Malariasümpfe, keine Lepra, keine Pest und keine Pocken. Jeder darf sagen und denken, was er will. Und langweilig wird einem dank der vielen Konsummöglichkeiten auch nicht. "Einspruch!", sagen hier Eugen Maria Schulak und Rahim Taghizadegan. Denn woher kommt die lähmende Unruhe, die unerklärliche Unzufriedenheit, die uns quält? Irgendwo ist der Wurm drinnen, meinen die beiden Autoren.

In ihrem Buch "Vom Systemtrottel zum Wutbürger" liefern sie eine bittere Gesellschaftsdiagnose: Unser System sei ein Hamsterrad. Wir alle sind die Hamster und bewegen tagtäglich die Rädchen. Wir sind konsumgelenkte "Systemtrottel". Auf bitterböse und zynische Weise beschreiben Schulak und Taghizadegan wie man es nicht machen soll. Der von ihnen vorgeführte Systemtrottel ist konsumorientiert, verblendet von den bunten Bildern der Massenmedien und verführt von materiellen Tröstungen, die ihm ein gutes Leben vorgaukeln. Und wer ist schuld an der Misere? Wir selbst, sagen die Autoren.

Einen großen Gegenentwurf zum Hamsterrad haben Schulak und Taghizadegan aber nicht parat. Im zweiten Teil des Buches wird die Argumentation etwas schwach und droht zur reinen Herleitung alter griechischer Begriffe zu verkommen. Das Credo lautet: Wutbürger müssen wir werden, die ausbrechen und sich das Leben und die Freiheit zurückholen. Und Mutbürger Die erfordert ein Leben außerhalb des Hamsterrads, sagen die Autoren. So propagieren sie den Rückzug in den "Garten": Der steht für bewusstes Konsumieren, Sparen und Investieren. Unsere wahre Berufung sollen wir im Garten finden und unsere politische Stimme wirklich nutzen. Eine Flucht vor der allzu komplizierten Welt, ein Rückzug in ein neues Biedermeier? Das streiten die Autoren zwar ab, aber trotzdem wirkt ihre Abenteuergeschichte etwas weit hergeholt.

Wütender fühlt man sich nicht nach dem Lesen des Buches. Doch einen Anstoß zur Veränderung eingefahrener Gewohnheiten gibt die Farce allemal.