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Verstehen Sie die Wirtschaft?

Wie man "Vom Systemtrottel zum Wutbürger" wird und aus dem System ausbricht

von BARBARA LECHNER
veröffentlicht auf www.barbaras-buchregal.at am 24. Oktober 2011 (aufgerufen am 30.10.2011)

 

 

Oder ist sie zu komplex um sie verstehen zu können? Rahim Taghizadegan gründete in Wien ein unabhängiges, öknomisches Institut, das Institut für Wertewirtschaft. Der austroiranischer Wirtschaftsphilosoph ist ein Vordenker in Ökonomie, Wirtschaft, Philosophie, Theologie und Geschichte. Die Hochschule Liechtenstein, der Wirtschaftsuniversität Wien und das Swiss Management Center sind nur einige Orte an denen er sein Wissen weitergibt. Er will nach eigenen Worten nicht missionieren, sondern will die Wiener Schule der Ökonomie wieder in das Bewusstsein jener bringen die an den Vorgängen der Welt ein Interesse zeigen.

In zwei Büchern die heuer auf dem Buchmarkt erschienen sind, bringt der Philosoph in einem die Welt der Wirtschaft verständlich bei, im zweiten, in Zusammenarbeit mit Eugen-Maria Schulak der für die Presse und die Wiener Zeitung schreibt, stellen beide Philosophen die Frage welche Art von Bürger wir sind. Sind wir die im Hamsterrad gefangenen Systemtrotteln oder "Wutbürger" die nicht alles kommentarlos schlucken was das System einen auf das Teller legt.

Wirtschaft wirklich verstehen: Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie (Gebundene Ausgabe: 288 Seiten /Verlag: FinanzBuch Verlag 16. Juni 2011) ist ein Einsteigerbuch um die Komplexität der Wirtschaft zu verstehen zu lernen.

Vom Systemtrottel zum Wutbürger (Gebundene Ausgabe: 154 Seiten Verlag: Ecowin Verlag; Auflage: 1., Aufl. (10. September 2011) ist jedoch eine bitterböse Satire, in denen uns der Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Wirtschaft, gesellschaftliche System und die Zusammenhänge werden oft von den Wissenschaftlern gerne mit vielen Zahlen, kaum verständlichen Formulierungen versehen dem "unwissenden" Bürger serviert. So mancher schreckt dann vor dem Griff zu diesen Sachbüchern zurück, aber schon beim Titel zeigt sich etwas - es wird auf die wohlklingenden Titeln der beiden Autoren verzichtet.

Wird uns wirklich im Leben, im Alltag ein Märchen präsentiert, an das wir wie im Vorwort zitiert, wie Voltaires Candide glauben, oder steckt in dem Märchen das uns die beiden erzählen ein großer, ein viel zu großer Funke Wahrheit um das Buch nach dem Lesen einfach beiseite zu legen ohne über das geschriebene nachzudenken? Wer ist in Wahrheit der Märchenonkel, unser System, unsere Politiker, die Medien? Die Satire hat einen altdeutschen Namen, "Stachelschrift", dieses Wort ist wohl zutreffend um das Buch und seinen Inhalt zu beschreiben. Leise, ganz zart stacheln beide an, um nachzudenken, zu hinterfragen. Ja, sie haben recht, wir leben in einer wunderbaren Welt, keiner muss hungern, Bildung für alle ist möglich, Hobbies sind leistbar, soviel Gerechtigkeit gab es noch nie und langweilig wird uns auch nicht, Internet und Medien sei dank. Es lebe der Vorteil des Geburtsortes!

Schon im ersten Teil wird starker Tabak in die Pfeife gestopft, der den Leser gehörig zum Husten bringt, kein leichtes Räuspern sonden ein gehöriger Hustenanfall, mancher wird die Erkenntnis habenn- Ich bin ein Systemtrottel. Es mag mir verziehen werden wenn ich mich nicht dazu öffentlich äußer wo ich mich wiedererkannt habe... . Ich zitiere, "Gesundheit ist das Allerwichtigste, wie man so sagt. Deshalb ist sie auch vorrangig an eine Krankenkasse zu delgieren. Die Gesundheit überlässt man sich nicht selbt, gerade heute nicht. Denn was sind wir schon. mediengelenkte Massenmenschen, bis über die Ohren verschuldete Konsumidioten, vertrotteltes Stimmvieh, das nur mehr demoktratisch für sich sorgen kann und will." (Seite 61, Vom Systemtrottel zum Wutbürger.) . Man darf beim Lesen nie vergessen es ist eine Satire, was wie die Wahrheit hier klingt, ist die Wahrheit, klagt aber gleichzeitig die Misstände an, jene Missstände die wir als solche nicht mehr wahrnehmen wollen oder können. Können weil wir zu sehr im System gefangen sind, wollen weil ein gegen den Strom schwimmen nur Ärger bringt