Wir schenken uns nichts.
Über die komplexen Rituale des Gebens und Nehmens

Fernsehdiskussion im Rahmen der Sendereihe "Philosophicum" (ORF 2) vom 12. 12. 2006
mit Helga Burgstahler (Kommunikationsexpertin, Potsdam), Gebhart Fartacek (Sozialanthropologe, Wien),
Peter Heintel (Philosoph, Klagenfurt) und Eugen Maria Schulak (Philosoph, Wien)

Moderation: Heinz Nußbaumer

 

 

 

Heinz Nußbaumer: Fünf Tage noch bis Weihnachten. Wer jetzt noch keine Geschenke hat, der wird ordentlich ins Schwitzen kommen. Es sei denn, er kann mit seinem Entschluss, heuer nichts zu schenken, durchhalten. Aber das ist eher eine ganz kleine Minderheit der Österreicher. Einen schönen guten Abend Ihnen zu Hause und unserer Runde von akademischen Christkindlexperten, Philosophen, Kultur- u. Kommunikationswissenschaftlern. Sie werden uns heute erklären, was da rund um Weihnachten mit uns und zwischen uns so alles passiert.

Frau Burgstahler, gegen alle Meldungen und Aufrufe zum Konsumverzicht sind Sie der Meinung, Schenken muss sein. Mehr sogar noch: Sie sagen, alle Appelle zur Bescheidenheit an so großen Festen wie Weihnachten gehen irgendwie ins Leere. Warum eigentlich?

Helga Burgstahler:Zunächst sind Geschenke wunderbare Beziehungszeichen. Gegenstände als Symbolik sind eigentlich schon vor der Schrift erfolgt. Wir können in Gegenstände alle unsere Gefühle reinbringen. Wir können unsere Botschaften reinbringen, wir können unsere soziale Kompetenz beweisen und natürlich auch unser Interaktionswissen. Auf der anderen Seite ist es natürlich voll Risiko, wie bei jeder Kommunikation. Aber ich bin deutlich dagegen, nur so als Appell "Schenkt weniger!" zu sagen, das hilft dem einzelnen überhaupt nicht. Denn er muss sich ja in seiner kleinen Gruppe verhalten können, und da gelten individuelle Regeln. Wir haben kollektive große Regeln, jetzt gerade Weihnachtsregeln, aber ausgemacht wird der Schenk-Ritus im kleinen Kreis, in der Familie. Weihnachten ist ein Familienfest. Die Wirtschaft stellt nur die Auswahl an Gegenständen zur Verfügung.

Heinz Nußbaumer: Die Auswahl an Gegenständen. Professor Heintel, ich glaube, es ist jetzt schon fast 50 Jahre her, dass Ihr deutscher Kollege, Theodor Adorno, 1948 gesagt hat: Wir haben das Schenken verlernt. Und er hat dafür ein typisches Beispiel genommen, die so genannten Geschenksartikel, und hat gesagt, das ist eine peinliche Erfindung, etwas, das man für nichts braucht als nur zum Schenken. Es ist inzwischen aber der Konsum, der Wohlstand, dramatisch gewachsen. Geht diese Schere zwischen Praxis und der Theorie des Schenkens nicht immer weiter auseinander?

Peter Heintel: Das ist eine gute Frage. Vielleicht kann ich gleich an das Thema Risiko anschließen. Da das Schenken immer weniger rituell normiert ist, steigt das Risiko. Die symbolische Bedeutung des Schenkens geht vom Anbahnen von Beziehungen über Befestigung, über Beschwörung, und das alles im Geschenk verpackt. Wenn man aber nicht mehr rituell im Hintergrund weiß, was gemeint ist, wird man unsicher. Und einer der Reaktionen auf Unsicherheit ist, dass man mehr kauft, in die Quantität geht, was mit der Qualität nicht mehr zu sichern ist.

Heinz Nußbaumer: Darüber muss man dann noch reden, was das richtige Geschenk ist. Aber woher kommt eigentlich in unserer Menschheitskultur diese Neigung, einander etwas zu schenken? Das gibt es ja fast in allen Völkern und Kulturen.

Gebhart Fartacek: Ich glaube, dass das ganze ein wesentliches Element der menschlichen Beziehungen ist, der sozialen Interaktionen der Menschen. Dieses Geben und Nehmen ist ein wesentlicher Punkt in der Güterverteilung. Aber es hat immer einen rituellen Aspekt mit drinnen, und letztlich ist es auch so, dass die Beziehung zu Gott, zur göttlichen Welt, auch von einem Geben und Nehmen gekennzeichnet ist. Die Kommunikation zu Gott ist ebenfalls maßgeblich von dem beeinflusst, dass ich den Göttern ein Geschenk mache und im Gegenzug dafür Hilfe erhoffe.

Heinz Nußbaumer :Aber da sind wir nun nicht, wenn wir einer anderen Firma eine Flasche Wein schicken. Oder ist das noch da?

Peter Heintel: Geschenke sind ja auch sozusagen Beschwörungsbestechungen in dem Sinn, dass alles dabei bleibt, dass die Kontinuität der Beziehung bleibt.

Gebhart Fartacek: Ich glaube, dass jede Gabe eine Gegengabe erfordert. Das ist ein allgemeines Prinzip. Wir von der Sozialanthropologie gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie Gott gedacht wird, oder wie die göttliche Welt gedacht wird, sehr stark davon abhängt, wie die sozialen Beziehungen der Menschen gestaltet sind. Dieses Prinzip des Gebens und Nehmens, die Verpflichtung, dass ich ein Geschenk mit einem Gegengeschenk erwidere, ist etwas, das auch die Kommunikation zu Gott maßgeblich beeinflusst.

Eugen Maria Schulak: Das, was beim Geben und Nehmen gemeinsam ist und überhaupt dem menschlichen Handeln gemeinsam ist: dass es am eigenen Nutzen, am individuellen Vorteil ausgerichtet ist. Der Philosoph, der ein Epikuräer ist, weiß, dass letztlich der Ur- sprung der Handlungen eine Maximierung der eigenen Bedürfnisse, eine Maximierung der eigenen Güter ist, und dass man sich dabei wohlfühlt, dass man Freude daran hat. Dies Streben nach dem Wohlbefinden lässt sich im menschlichen Handeln nicht minimieren oder gar eliminieren. Das Wohlbefinden muss da sein, nämlich das eigene. Und somit steht beim Schenken die Freude im Zentrum.

Heinz Nußbaumer : Löst das nicht massiven Protest bei Ihnen aus? Jetzt tun wir doch so, als ob wir alle ganz altruistisch wären?

Helga Burgstahler: Ja. Das ist eine Argumentation, die auch in der Reformation maßgeblich war: Der Einzelne konnte Reichtum anhäufen, aber wenn Überfluss war, dann musste er abgeben, dann hat er gespendet, hat Almosen gegeben. Der Überfluss musste abgegeben werden, auch aus den Gründen, um sich gut zu fühlen, was aber gleichzeitig auch eine ökonomische Komponente hat.

Eugen Maria Schulak: Die ökonomische Komponente des Schenkens weist auf einen Tauschhandel hin, von dem sich der Mensch ja immer etwas Positives erwartet.

Peter Heintel: Ich glaube auch, dass der Eigennutz ein wesentlicher Teil des Schenkens ist. Die Frage ist nur, was der Eigennutz eigentlich ist. Wenn man jemandem etwas schenkt und vorher schon ein halbes Jahr beobachtet hat, was der andere eigentlich will, dann ist das eine Anerkennung der anderen Individualiät, der anderen Person, die natürlich auch mir zugute kommt, diese Freude: Er schaut, was mir gut tut.

Eugen Maria Schulak: Und dann gibt es zwei Gewinner. Aber unabhängig vom Gewinn ist das Schenken nur dann wirklich schön, wenn es aus Liebe geschieht und aus Freundschaft.

Gebhart Fartacek: Wenn ich hier einhaken darf: Schenken an sich ist keine edle Handlung, sondern der Schenkende begibt sich vielmehr in die Position der Überlegenheit. Derjenige, der ein Geschenk empfängt, hat letztlich Schulden und ist verpflichtet zur Gegengabe.

Peter Heintel: In früheren Zeiten hat der eine den anderen ruinieren können durch große Geschenke. Das ist der Aspekt der Schuldknechtschaft. Von der strukturellen Seite her gesehen ist das Schenken natürlich auch ein Machtausübungsversuch.

Heinz Nußbaumer: Man hat sich lieber ruiniert als dass man auf diese Prestigemöglichkeit verzichtet. Aber darf ich noch einmal zu unserem Anlass kommen: Wir sind ja so knapp vor Weihnachten. Dass sich das Schenken jetzt so auf Weihnachten hin kumuliert, ist ja nicht unbedingt vorherzusehen gewesen in den letzten Jahrhunderten. Es gibt aber doch eine Tradition, die auch ein bisserl mit der Wintersonnenwende zu tun hat. Da waren die Verteilungskämpfe um etwas zu essen am allerstärksten, und man musste, um die Leute aus ihrer Aggressivität herauszuholen, mit Geschenken beruhigen. Ist das so eine Art stiller Vorläufer der Weihnachtsgeschenke gewesen?

Peter Heintel : Ich würde sagen, ja. Einfach aus dem Grund: Es gibt nichts Heikleres als Familienfeste, wie wir wissen. Es gibt ja auch die bekannte Weihnachtsdepression, die einen überkommt, wenn man wieder mit den ganzen Familiengeschichten konfrontiert wird. Und eine Form der Kompensation ist natürlich das Schenken. Und das Essen, das gehört auch dazu. Das Schenken, das einfach vermitteln soll: Vergessen wir Verletzungsgeschichten. Die Verteilungssache ist in unserer luxuriösen Gesellschaft nicht mehr notwendig, aber die Bestätigung einer sozialen Gemeinschaft, die es vielleicht gar nicht mehr so gibt.

Eugen Maria Schulak: Geschenke sind auch eine Anbahnung. Gerade dann, wenn die Situation gespannt ist, so wie bei Familienfesten,bei denen man sich an die eigene Kindheit erinnert, sich erinnert, dass an diesen Festtagen auch gestritten wurde. Dann ist das richtige Geschenk, das vom Herzen kommt, eigentlich perfekt, um das alles gut hinzukriegen.

Heinz Nußbaumer: Ich möchte einmal kurz aufgreifen, was Sie gesagt haben. Sie haben gesagt, dass ein Geschenk ein Gegengeschenk erwartet. Es gibt ja eine Zeit im Leben, wo das nicht so ist: die Kindheit. Ist das einer der Gründe, warum wir mit so viel romantischen und sentimentalen Gefühlen zurückschauen, weil damals dieser Tausch hinter jedem Geschenk noch nicht erkennbar war? Oder haben wir damals ebenso getauscht? Das Kind musste ja brav sein, damit es viel bekommt.

Peter Heintel: Ja. Kindern wird zugleich auch vermittelt: Ich hab Dir etwas geschenkt, nun sei brav. Und das ist im Grunde dannebenso ein Tausch.

Helga Burgstahler:Bereits im Säuglingsalter gilt dieses Konzept: Geben, Nehmen, Erwidern. Wenn ich ganz klein bin, kann ich nur voll nehmen. Dann kommt das Teilen, was ja schmerzlich ist, und dann kommt das Geben, das ist noch schmerzlicher, und dieses Danke sagen als Erwiderung. Das trainieren wir unseren Kindern an. Es dauert oft sehr lang, bis Kinder von sich aus Danke sagen. Dieses pädagogische, erzieherische Element hat sich ab der Zeit der Industrialisierung dann stark entwickelt. Damit die Eltern es nicht selber zeigen mussten, schaltete man einen Dritten ein, etwa den Weihnachtsmann oder das Christkind. Die haben einen Kontrapunkt bei sich und fragen die Kinder: Warst Du lieb oder warst Du bös? Jede Gabe ist im Grunde ein Band, so wie auch das Opfer an die Götter ein Band ist. Ich gebe etwas und wir verbinden uns. Die Seelenbindung, der Ring, das Gebinde.

Heinz Nußbaumer: Vielleicht hat man in diesem Zusammenhang auch nachgedacht, woher das Wort "schenken" kommt. Es kommtja von "einschenken". Früher hat man dem Wanderer ein Glas eingeschenkt, hat ihm vielleicht, wenn man es gut gemeint hat, auch noch den Becher mitgegeben.

Helga Burgstahler: Damit hat der Schenkende, der Geber, auch in der Öffentlichkeit gezeigt, dass er wohlhabend ist, und wie sehr er den Fremden, den Gast schätzt. Also Schenken ist auch Wertschätzung.

Gebhart Fartacek: Ich möchte noch kurz an die Kindheit erinnern. Es gibt doch so etwas wie einen Generationenvertrag. Undirgendwann haben Kinder auch Versorgungspflichten den Eltern gegenüber. Die Gegengabe erfolgt sozusagen zeitlich versetzt.

Peter Heintel : Und hier sieht man deutlich, dass wir als Menschen auf Materielles angewiesen sind. Offensichtlich nützt es nichts, sich bloß in die Augen zu schauen oder miteinander zu reden, um sich einander zu versichern. Sondern es muss irgend etwas materialisiert werden. Das Schenken ist eine materielle Bezeugung. Für jedes Bedürfnis, auch für kommunikative Bedürfnisse, gibt es eine materielle Antwort. Das ist der Bezug zur Ökonomie, dass man materielle Antworten auf Bedürfnisse geben kann.

Heinz Nußbaumer: Obwohl wir uns lauter Dinge schenken, die wir uns eigentlich selber ebenso leisten könnten.

Helga Burgstahler: Das ist genau das Argument dafür, dass man das Schenken eben nicht materialistisch sehen darf, sondern symbolisch. Also ich sehe den Gegenstand!Heinz Nußbaumer: Es ist egal, was ich kriege. Hauptsache ist, dass ich überhaupt etwas kriege.

Helga Burgstahler: Das Wesentliche an einem Geschenk ist, dass es von mir ist, dass mein Selbstbild in diesem Geschenk enthalten ist. Und es muss natürlich auch das Bild des anderen in diesem Geschenk verkörpert sein. Ich schenke nur Bücher mit solchen Inhalten, von denen ich weiß, der andere interessiert sich dafür. Dabei ist es gleichgültig, ob dieses Buch zehn oder hundert Euro gekostet hat. Wenn der Inhalt nicht stimmt, ist man verärgert. Da verschwindet das Materielle.

Heinz Nußbaumer: Gehen wir noch einmal in die Kulturgeschichte zurück. Ich habe als junger Journalist in Papua-Neuguinea ein so genanntes Moka-Ritual erlebt. Die Stämme, die dort leben und zum Großteil noch verfeindet sind, treffen sich alle paar Jahre, bringen ihreSchweine mit, die dann alle miteinander gebraten und gegessen werden. Damit sind alle Rechnungen beglichen. Was bedeutet das?

Eugen Maria Schulak: Das erinnert an diesen gewissen Kitzel beim Schenken, den es ja ebenso gibt, nämlich so weit zu gehen, dass es einen unter Umständen ruiniert. Das ist dann das große, das großartige Geschenk. Dieses Moka-Ritual scheint etwas Ähnliches zusein wie das Potlasch-Ritual der nordamerikanischen Indianer.

Heinz Nußbaumer: Das müssen wir jetzt kurz erklären, was Potlasch ist. Ein paar Sätze.

Gebhart Fartacek: Potlasch ist etwas, wo reiche Stammeshäuptlinge in Nordamerika riesengroße Feste veranstaltet haben und dort ihren Reichtum verprasst haben, große Geschenke gemacht und teilweise diese dann verbrannt haben. Das hat wahrscheinlich eine soziale Funktion gehabt, war quasi ein Regulativ. Jemand, der schnell zu Reichtum gekommen ist, war nach dem Fest wiederum arm.

Heinz Nußbaumer: Da gibt es ja diese Geschichte von Jack Nicholson, der eine Party gemacht und Bündel mit Dollarnoten in den Ofen geworfen hat. Alle Anwesenden waren davon sehr beeindruckt. Aber jetzt zu etwas Anderem, zu dem ich relativ viel gelesen habe, aber mir bis jetzt noch nicht im Klaren bin: Geht es eigentlich darum, dass man möglichst mehr schenkt als man bekommen hat, oder darum, dass man Bescheidenheit übt, oder dass es buchhalterisch genau ausgeglichen ist, möglichst ausgeglichen zumindest. Wie ist die Psychologie des Schenkens richtig?

Peter Heintel : Aristoteles sagt, es sollte möglichst symmetrisch vor sich gehen, sonst kommt es immer zu Schuldgefühlen, Machtverhältnissen usw. Da muss man sich fragen, wie kriegt man das eigentlich hin? Wenn ein Geschenk hauptsächlich einen symbolischen Wert hat und weniger einen materiellen, wie kriegt man das hin, dass hier eine Symmetrie oder eine Gleichheit vermittelbar ist? Das ist einer der schwierigen sozial-kommunikativen Akte, dass ein, sagen wir einmal, relativ wertloses Geschenk denselben Wert hat wie ein sehr wertvolles. Wenn nämlich die andere Seite stimmt.

Eugen Maria Schulak: Das ist die Kunst des Schenkens.

Gebhart Fartacek: Ich glaube, dass wenn es ein gutes oder ein originelles Geschenk sein soll, dass es eines sein muss, das auf die Person eingeht, das quasi die Signatur des Schenkers und des Beschenkten hinterlässt und sichtbar macht. In individualistischen Gesellschaften ist so etwas sehr gefragt. In Gesellschaften, die das Individuum stärken, geht es darum, dass man ein Geschenk überreicht, das den Beschenkten dann noch einmal in seiner Einzigartigkeit, in seiner Andersartigkeit hervorhebt. In nicht-säkularisierten Gesellschaften, die sehr stark das Kollektiv, das Gemeinwohl betonen, dort ist es eher wichtig, dass das Geschenk etwas ist, das allen zugute kommt. So ein Geschenk wird dann auch nie feierlich überreicht. Im nahen Osten beispielsweise ist es üblich, dass man das Geschenk eher unauffällig in eine Ecke stellt nur nichts daraus machen! Nie würde jemand auf die Idee kommen, dass man es vor allen auspackt.

Heinz Nußbaumer: Meine Mutter hat immer gesagt: Brauchst net reinschauen!

Helga Burgstahler: Die Japaner haben es da einfacher. Die haben Kataloge, da weiß jeder, was das Geschenk gekostet hat.

Heinz Nußbaumer: Ist das nicht schrecklich?

Helga Burgstahler: Nein, das ist eigentlich eine Entlastung. Zu den zwei japanischen Geschenkperioden, im Juli und im Dezember, gibt es eine eigene Familienfestplanung. Dazu hat sich eine ganze Industrie entwickelt, die das als Dienstleistung anbietet. Auf Grund der Kataloge weiß jeder ganz genau, was das Geschenk gekostet hat. So kann auch das Gegengeschenk adäquat erfolgen. Wir in Europa lernen das von den Eltern, vom Umkreis. Wie viel wir schenken, das kommt auf die Situation an. Was wir aber in jedem Fall machen: Wir machen den Preis weg! Sonst ist es ja kein Geschenk! Und wir verpacken es auch.

Heinz Nußbaumer: Aber ist es nicht auch ein Unterschied, ob wir etwas schenken in einem familiären und intimen Kreis oder ob es sich um berufliche oder Firmengeschenke handelt? Gelten da nicht ganz unterschiedliche Spielregeln? Und kann man sagen: Je kleiner und überschaubarer der Kreis, desto weniger kommt es auf das Gegengeschenk und auf den finanziellen Wert des Geschenks an?

Peter Heintel: Wenn es unterschiedliche Familienhierarchien gibt, was man manchmal auch in der Generationenabfolge hat, dann ist es schon wieder problematisch. Im unmittelbaren Intimbereich der Kleinfamilie, da könnte ich mich dem anschließen.

Gebhart Fartacek: Also ich denke, gerade zur Vorweihnachtszeit, wenn es darum geht, den Armen zu helfen bzw. zu spenden, dann wird in diesen Fällen nicht erwartet, dass die Beschenkten ein Gegengeschenk geben.

Peter Heintel: Das ist die Beruhigung des schlechten Gewissens.

Heinz Nußbaumer: Es ist ja ganz erstaunlich, wie geschickt die Organisatoren von großen Spendenunternehmen durch die ganz kleine Gabe, die sie schicken, etwa Weihnachtsanhänger, Visitenkarten, Kalender oder was auch immer, ein schlechtes Gewissen in uns erzeugen und dadurch viel mehr Geld lukrieren als würden sie nur einen Bettelbrief schreiben. Was ist das für eine Mechanik im Menschen?

Peter Heintel: Da haben wir wieder die Materialisierung der Symbolik.

Helga Burgstahler: Seit Jahrhunderten schon gibt man anstatt von Opfergaben Almosen. Die Kirche sagt: Bitte verschwendet doch nicht diese Gegenstände, gebt sie uns! Wir geben sie dann weiter. Die Kirchen waren ja zuständig für die Armen. Die Armen und Bettler waren dafür da, diese Gaben zu empfangen, um dann dafür Fürbitte zu leisten. So hat man sein Gewissen beruhigt. Das war ein Stück Ablasshandel.

Heinz Nußbaumer: Bleiben wir vielleicht bei der Kirche. Es gibt Fachleute, Wissenschaftler, Experten, die sagen, dass die Geschichte der Geschenke vielleicht sogar mehr eine religiöse als eine soziologische Frage ist. Hat sich durch das Auftreten der Kirche, zum Teil im Ansammeln von Stiftungen, von Reichtümern, aber doch auch mit all diesen Heiligen- und Heldenlegenden, wo, vom Heiligen Fransiskus angefangen, sozusagen einer alles verschenkt hat: Hat sich da etwas geändert in unserer Grundeinstellung? Durch das Christentum?

Peter Heintel: Ich denke schon. Dass die rituelle Form des Schenkens auch etwas mit Religionen zu tun hat, ist unbestritten. Der so genannten Säkularisierungsbruch hat aber einiges verändert. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man Götter bestechen kann, in irgendeiner Form sich das Fegefeuer erspart, oder ob man das alles im Kreislauf der säkularen Gesellschaft macht. Ich möchte jetzt einmal ganz kühn die These formulieren: Diese Aufgabe der Religion, die hat die Ökonomie übernommen. Das ist eigentlich unsere Religion, unsere säkulare Religion.

Heinz Nußbaumer: Das sagt Konrad Paul Liessmann auch immer: Das Geld ist der Gott der Welt.

Peter Heintel: Da ist vor allem die großartige Idee, etwas Positives über den Materialismus zu sagen: Ihr braucht nicht mehr auf ein Paradies zu hoffen, ihr braucht nicht mehr in Sagen und Märchen und sonstigen Phantasien eure Bedürfnisse aufbewahren, ihr kriegt ein Produkt. Diese Produktantwort auf unsere Bedürfnisse, die ist in ganz radikaler Weise zum Thema des Schenkens dazugekommen. Und deshalb halten wir ja auch, nachreligiös, unsere Einkaufszentren für Konsumtempel. Das ist ja im Grunde eine religiöse Wendung.

Eugen Maria Schulak: Das, was ein großes Fest erst eigentlich schön macht, ist das Ritual. Wenn man sich in einem Ritual trifft und in einem Ritual schenkt, ist das ganz etwas anderes als wenn man so einfach nebenbei schenkt. Das Religiöse stellt uns Rituale zur Verfügung, die sich als Rahmen für das Schenken eignen. Wenn das Religiöse verlorengeht und quasi nur mehr der Konsum übigbleibt beim Schenken, dann vergibt man sich etwas, verliert unter Umständen den Sinn des Ganzen und so auch die Freude daran. Dann wird man unsicher und hat ein Poblem. Dann weiß man nicht mehr, wie man sich verhalten soll und es wird womöglich peinlich, so wie Werbegeschenke etwas ganz Peinliches sind. Das Weihnachtsfest ist eindeutig ein religiöses Ritual. Viele können es noch nachempfinden, viele haben es verloren. Aber die, die es noch nachempfinden können, haben eindeutig mehr davon.

Peter Heintel: Dazu ist noch generell zu sagen, dass das Schenken, vor allem im Zusammenhang mit dem Feiern von Festen, stets terminverbunden war. Ein Zeichen, dass das stimmt mit der Religion und der Ökonomie, ist die dauernde Feiertagsdebatte. Es ist zumindest konsequent, wenn die Ökonomie und die Produktion das Warenangebot der Religion geworden sind. Dann sind die Feiertage eben die Konsumfeiertage.

Helga Burgstahler: Es ist ja sehr interessant, dass wir heute eigentlich das Schlaraffenland geschaffen haben, dieses Wunschland, wo es genügend Nahrung gibt, wo Milch und Honig fließen. Dieses Traumland, das haben wir uns heute erfüllt. Im Winter haben wir es den ganzen Tag warm, wir haben fließendes Wasser, wir haben diese Überfülle an Waren ...

Peter Heintel: Dieses Schlaraffenland, dass wir auf alle Bedürfnisse eine produktive Antwort bekommen, das geht aber nicht auf. Die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen haben eine ideelle Unendlichkeit. Die sind nicht befriedigbar. Da bleibt ein Rest.

Heinz Nußbaumer: Jetzt müssen wir darüber reden, was in dieser Zeit und unter diesen Rah-menbedingungen des Konsums eigentlich ein gutes Geschenk ist. Wie sieht ein gutes Geschenk eigentlich aus?

Peter Heintel: Ja, da werden Sie einige Verlegenheit finden in unserem Kreis.

Helga Burgstahler: Das ist total individuell und kommt darauf an, wen ich beschenke, zu welchem Anlass ich schenke, wie ich übergebe und welche Wirkung ich mir erhoffe. Das "gute Geschenk" ist eine Floskel. Das kann man so nicht sagen. Es kommt auf die soziale Beziehung an, auf die Situation, auf den Anlass.

Heinz Nußbaumer: Ich bleibe bei der Floskel. Was ist ein gutes Geschenk?

Eugen Maria Schulak: Ein gutes Geschenk ist vor allem einmal eines, das mir selbst gefällt. Wenn es mir nicht selbst gefällt, kann es kein gutes Geschenk sein. Ich muss zu einem Geschenk stehen können, ich muss mich mit dem Geschenk identifizieren können. Es ist ein Stück von mir, ein Zeichen, das ich setze, und es wirft so auch ein Licht auf mich zurück. Das bedeutet, ein Geschenk muss geschmackvoll sein, es muss passen, und es muss gut gewählt sein.

Peter Heintel: Ich ziehe mich jetzt aus der Affaire indem ich sage: Es ist eigentlich egal, was man schenkt, wenn in den Zwischenzeiten des Nichtschenkens die Beziehungen, die sozialen Zusammenhänge halbwegs stimmig sind.

Helga Burgstahler : Schenken kann ich im Grunde jeden Tag. Es muss ja nicht immer ein jahreszeitlicher oder lebenszeitlicher Anlass sein. Ein Mitbringsel etwa, da bringt man etwas mit um zu zeigen, dass man an den anderen gedacht hat, als man weg war.

Gebhart Fartacek: Ja, aber das ist ebenso ein Anlass. Jemand war in der Ferne, hat eine Reise gemacht und ist zurückgekommen. Und bringt ein Geschenk mit. Also ich glaube, dass das Überreichen eines Geschenks immer mehr oder weniger ritualisiert und von daher immer anlassbezogen ist. Das kann ein einmaliger Anlass sein oder ein an die Jahreszeiten gebundenes Fest, oder man hat irgendeinen Lebensabschnitt zu Ende gebracht. In einer individualistischen Gesellschaft wie der unsrigen, oder auch in der säkularisierten Gesellschaft, muss das gute Geschenk originell, einzigartig sein, es muss etwas anderes sein wie all die anderen Geschenke.

Heinz Nußbaumer:Das sieht man ja auch daran, dass wir ein Geschenk verpacken, es gleichsam geheimnisvoll machen. Das ist ja etwas Seltsames, dass wir aus einem Geschenk, das wir aus der Masse heraus kaufen, mit Hilfe der Verpackung und dem Wegtun des Preiszettels ein möglichst einmaliges, ganz individuelles Geschenk machen wollen.

Peter Heintel: Das liegt aber genau auch in dem, was ich zuerst versucht habe zu sagen. Der Inhalt wird langsam egal, aber die Verpackung kann sich ändern und der Schein, dass es etwas anderes ist, entsteht.

Eugen Maria Schulak: Verpackt werden Geschenke in der Regel erst kurz bevor man sie verschenkt, also knapp vor dem Anlass. Das Besorgen kann und sollte im Grunde aber schon viel früher erfolgen. Kurz vor Weihnachten Geschenke zu kaufen, und zwar wirklich gute Geschenke, bedeutet Stress und ist auch eine Art Lotterie, was die Auswahl betrifft. Diesen Stress kann man sich sparen und zwar insofern, als man im täglichen Leben stets auf der Suche nach den schönen Dingen ist, die man, wenn ein Anlass ist, dann verschenken kann oder auch nicht. Wenn man beim Erwerb eines schönen oder wertvollen Guts an einen speziellen Menschen denkt, um so besser.

Heinz Nußbaumer: Das heißt, Sie kaufen schon während des Jahres für Weihnachten?

Eugen Maria Schulak: Wenn ich schöne, seltene oder ganz besondere Dinge sehe und es mir leisten kann, dann kaufe ich sie. Geschenke habe ich so gut wie immer. Ich kann auch jederzeit ein Buch aus meiner Bibliothek nehmen oder eine CD. Das Schenken ist so nur mehr zu einem Teil anlassbezogen.

Peter Heintel: Ein Stress!

Eugen Maria Schulak: Das ist überhaupt kein Stress, ganz im Gegenteil: Das ist cool.

Heinz Nußbaumer: Ein ganz wichtiges Thema, um das wir uns nicht herumschwindeln dürfen, ist, dass es beim Schenken und auch beim Nehmen einen Unterschied gibt zwischen Mann und Frau. Die Profis sagen ja: Frauen schenken viel kreativer, viel sensibler, sind aber auch schwieriger als Beschenkte. Ist da was dran?

Peter Heintel: Ich frage mich nur, was heißt es, wenn wer sensibler und kreativer schenkt? Welche Belastung ist das für mich dann als Mann? Das kann ja auch interpretiert werden im Sinn des Übertreffens.

Gebhart Fartacek: Ich glaube, dass Frauen in den meisten Teilen der Welt über weniger materielle Güter verfügen als die Männer, und dass sich das auch in der Art der Geschenke niederschlägt.

Peter Heintel: Als Frau muss man dann viel kreativer sein.

Helga Burgstahler: Wenn man den Studien glauben darf, schenken die Frauen mehr, weil sie, wie sich das seit dem 18. Jahrhundert herausgestellt hat, diejenigen sind, die das Refugium des Haushaltes unter sich haben. Aber es gibt natürlich Situationen, wo die Männer voller dran sind. Und das ist beim Flirt und in der Nahverbindung. Da ist der Mann gefragt. Er muss schenken. Er muss teurer schenken als die Frau. Das wird erwartet, bis alles dann stabilisiert ist. Er bringt Blumen, er muss da viel machen, und erst wenn die Verbindung geschlossen ist, wenn man enger zusammen ist, dann dreht sich das. Dann ist die Frau wieder zuständig. Die hat ja auch fast überall das Weihnachtsfest zu organisieren.

Heinz Nußbaumer: Ich habe einmal einen Freund gehabt, der hatte immer einen Blumenstrauß im Kofferraum, weil er nie wusste, wer ihm am Abend noch begegnet.

Peter Heintel:Das waren Kunstblumen, oder was?

Heinz Nußbaumer: Man sagt ja auch Frauen sind daran gewöhnt, von der Prägung her, Leben zu schenken. Sie sind also eher die Schenkenden. Manche sagen, deshalb sind sie auch dem Göttlichen näher. Ist das nur ein Gerede, oder ist da was dran?

Peter Heintel: Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger und ernster Gedanke insofern, dass viele der Tätigkeiten, die den Frauen zugewiesen wurden, keine Erwerbstätigkeiten waren und nicht bezahlt wurden. Und was nicht bezahlt wird, kann man sagen, hat Geschenkcharakter. Das muss man auch in diese Richtung überlegen. Und dann ist natürlich klar, und das ist keine Floskel, dass Frauen doch in dichterer Form Leben schenken als Männer es tun. Daher haben die Männer die Produktion erfunden. Nicht? Damit sie sich sozusagen ebenso Werke zumessen können, die einen gewissen Ewigkeitswert haben.

Heinz Nußbaumer: Ich habe gelesen, wenn ein Mann einer Frau zu wenig schenkt, ist sie missmutig, wenn er ihr zu viel schenkt, ist sie misstrauisch. Aber, jetzt möchte ich Sie fragen: Glauben Sie, kann man sich selbst ein Geschenk machen? Oder ist diese Rolle des Beschenkten und des Schenkers unbedingt notwendig und kann nicht in einer Person aufgehen?

Peter Heintel: In einer individualistischen Gesellschaft kann ich mir das durchaus vorstellen. Weil wir selbst ja als Personen sozusagen einer Dauer-Schizophrenie unterliegen, oder wie Walter Benjamin gesagt hat: "Glück ist, zu sich selbst zurückzukommen und nicht zu erschrecken". Das ist die große Identitätsfrage. Ich könnte mir schon vorstellen, dass ich sage, für heute abends schenke ich mir eine schöne, gute Flasche Rotwein. Das kann ich mir vorstellen. Zur Beruhigung meiner inneren individualistischen Gespaltenheit. Das einzige Problem, das ich dabei habe, ist: Wenn ich mich über etwas freue, dann möchte ich nicht gern allein sein.

Eugen Maria Schulak: Wenn man sich selbst etwas schenkt, dann schenkt man sich eine Auszeit vom Alltag, eine Abschweifung vom Alltäglichen.

Heinz Nußbaumer: Gerade gestern hat mir jemand eine Werbebroschüre gebracht, da stand drüber: "Feiern mit dem Weihnachtshasen". Zu sehen war ein Tannenzweig, und da sitzt der Osterhase drauf, hat eine Nikolomütze auf. Was sagt uns das?

Peter Heintel: Das sagt uns etwas über die totale Relativierung von Traditionen und Bildern. Man verwendet, was man glaubt, das plausibel ist für Verkaufszwecke.

Eugen Maria Schulak: Im Grunde sagt das nicht anderes als das, dass die Leute, die Werbung machen, auch eine Menge Spaß bei ihrer Arbeit haben. Das ist nichts anderes als ein guter Witz.

Heinz Nußbaumer: Aber fühlen wir uns in unserer Emotionalität, die um Weihnachten herum ja ziemlich stark ist, nicht durch das, was die Wirtschaft so an uns heranbringt, irgendwie ausgebeutet, überfordert? Und wie halten wir da unser eigenes Seelenklima in diesen Tagen aufrecht?

Peter Heintel: Bedrängt fühlt man sich, ich mich jedenfalls schon, aber, so glaube ich, es gehört zu einer gewissen Sättigung im Schlaraffenland, dass man langsam Distanzen kriegt.

Heinz Nußbaumer:Gut, dann frage ich Sie alle noch einmal, jeden einzelnen. Freuen Sie sich auf Weihnachten und freuen Sie sich auf Geschenke?

Helga Burgstahler:Ich freue mich auf Weihnachten. Wir haben bei den Geschenken Regeln, wo wir das sehr begrenzen. Wir haben auch nur einen ganz kleinen Kreis, aber was wir machen jedes Jahr, ist ein großes Weihnachtsgedicht. Einer macht es und macht ein schönes Layout. Und alle bekommen es zugesandt, per Mail oder per Post, und jeder ist beglückt. Das geht auf Schwäbisch.

Heinz Nußbaumer: Freuen Sie sich auf Weihnachten und auf Geschenke?

Eugen Maria Schulak: Durchaus. Auf Weihnachten einfach deshalb, weil, wenn man älter wird, sich das Verhältnis zu den Eltern verändert und man eine andere Rolle zu Weihnachten einnimmt. Was durchaus angenehm ist. Und auf Geschenke freue ich mich immer, ganz generell. Und ich kann auch erwarten, dass sie mir Freude machen werden, was meistens so ist.

Peter Heintel: Auf Weihnachten freue ich mich natürlich, da gibt es einige schöne freie Tage mit Zeitpolstern, wo ich auf meine Almhütte fahren werde. Geschenke sind mir nicht so wichtig. Das möchte ich schon sagen. Die freie Zeit! Mir ist auch sehr wichtig, mit anderen zusammen Zeit zu verbringen.

Gebhart Fartacek: Ich möchte mich dem anschließen. Ich freue mich natürlich auf Weihnachten, Geschenke sind mir nicht so wichtig, aber ich freue mich auch auf Geschenke.

Heinz Nußbaumer:Auch im Advent dominiert die Uhr, unsere Zeit ist vorbei. Was habe ich persönlich gelernt? Ich habe gelernt: Geschenke verbinden uns, schaffen Stabilität, schaffen Beziehungen, sind aber doch etwas sehr Heikles und sehr Sensibles. Ein Kulturwissenschaftler, der Franzose Maurice Gaudelier, geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: Nicht nur alle Völker wissen, dass Geschenke- und Warentausch etwas Wichtiges ist, sondern fast alle Völker haben auch Mythen, haben auch Geschichten, in denen sie von Göttern etwas geschenkt bekommen. Etwas, was der Mensch nicht durch Gegenleistungen aufheben kann. In unserem Kulturkreis wäre das etwa, dass ein Gott uns seinen Sohn geschenkt hat. Das ist ja auch der tiefere Sinn von Weihnachten. Vielleicht hat es einen Sinn, dass wir in dem ganzen Gejage und Trubel der nächsten Tage auch diesen Gedanken nicht ganz aus den Augen verlieren. Gute Nacht.