Logik und Ethik des Netzwerkens

 

Copyright: Eugen-Maria Schulak
Veröffentlicht in upgrade (2/08), Magazin der Donau-Universität Krems

 

Menschliches Handeln besteht maßgeblich aus Kooperation. Ziel ist der jeweils eigene Vorteil. Das Mittel, um an diesen Vorteil zu gelangen, ist der Tausch. Ein Tausch findet dann statt, wenn man den Eindruck gewinnt, dass das, was man im Tausch erhält, wertvoller ist als das, was man im Gegenzug dazu entrichtet. Eine Tauschhandlung hängt demnach an subjektiven Bewertungen. Falls der Eindruck entsteht, dass man in Zukunft noch wertvollere Tauschakte durchführen kann, werden aktuelle Tauschakte auch mit Verlust durchgeführt.

Gerade erfolgreiche Netzwerker haben eine niedrige Zeitpräferenz, d.h. sie können warten. Beziehungen sind langfristige Investitionen, die sich womöglich erst nach Jahren rechnen. Manchmal rechnen sich Beziehungen auch gar nicht. Netzwerken ist demnach ein Teil des unternehmerischen Handelns, bei dem es maßgeblich um die Übernahme von Risiken, die Wahrnehmung von Chancen und um ein hohes Maß an Menschenkenntnis geht.

Auch die Freundschaft hat ihren Ursprung im wechselseitigen Nutzen. Niemand ist auf Dauer mit jemandem befreundet, von dem er keinerlei Nutzen hat. Und doch gibt es unbestreitbar einen Unterschied zwischen einem Netzwerkpartner und einem Freund. Unter Freunden ist es die vornehmste Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen. Und auch ein Netzwerkpartner wird sich vor Lügen hüten. Das heißt aber noch lange nicht, dass er die Wahrheit sagen wird, so wie es unter Freunden die vornehmste Verpflichtung ist.

Freundschaft und Geschäft können Probleme mit sich bringen. Machen Sie einem Freund, der in einer Notlage ist, einmal klar, dass er den Auftrag, den sie zu vergeben haben, nicht bekommen wird. Dies stellt die Freundschaft auf eine harte Probe. Abgesehen davon ist es durchaus vernünftig, mit Freunden Geschäfte zu machen. Kooperation basiert auf Vertrauen und Freunde sind Menschen, denen man vertrauen kann. Es ist demnach wünschenswert, dass gute Netzwerkpartner auch Freunde werden.

Wenn Networking heute in aller Munde ist, so heißt das, dass die Bedeutung von Beziehungen im Geschäftsleben zugenommen hat. Dies könnte durchaus auch ein negatives Indiz sein, nämlich für eine Abnahme von Marktbeziehungen zugunsten von Privilegien. Wenn die Regulierungsdichte zunimmt, wenn immer mehr Menschen in geschützten Werkstätten arbeiten, wenn die Anzahl der Netto-Transferleistungsbezieher steigt, nimmt auch die Abhängigkeit von Beziehungen zu. Die verstärkte Notwendigkeit von Networking im Geschäftsleben (einschließlich Lobbyismus) könnte mit einer wirtschaftlichen Dynamik demnach nur sehr wenig zu tun haben.