Gedachte Gefühle

Interview im Rahmen der Sendung "Leporello" (Österreich 1) vom 6. Oktober 2005

 

Moderator: Wenn Eros uns den Kopf verdreht, allenthalben und unvermutet, dann wird zumeist auf alle Vorsicht verzichtet. Nicht selten landen wir dabei geradewegs in der Patsche. Oder noch schlimmer. Danach brauchen wir guten Rat, der meist teuer ist. Und damit schlug bisher die Stunde der Freunde oder der Therapeuten. Neuerdings wollen sich aber auch die gelernten Welterklärer, die Philosophen, darum kümmern. "Wenn Eros uns den Kopf verdreht" lautet der Titel eines gestern vorgestellten Philosophiehandbuches zum besseren Verständnis eines durch und durch nur schwer verständlichen Phänomens.

Harald Koisser: Ja, natürlich mischen sich die Therapeuten ein, aber ich denke, die Therapeuten kommen deshalb zum Zug, weil die Leute nicht rechtzeitig die Philosophen gefragt haben ...

Moderator: ... gibt sich der Kommunikationsberater Harald Koisser kämpferisch. Den publizistischen Streifzug durch mehr als 2000 Jahre Philosophie zum Thema "Eros" hat er gemeinsam mit dem Philosophen Eugen Maria Schulak unternommen.

Harald Koisser: Wir haben uns gehütet, einen Ratgeber zu schreiben. Das wäre bei Sichtung von über 2000 Jahren Philosophie auch vermessen gewesen. Denn wenn man das alles liest, sieht man, dass die Philosophen je nach ihrer eigenen Persönlichkeit oder je nach dem herrschenden Zeitgeist ganz unterschiedliche Meinungen vertreten haben. Schopenhauer etwa hat einen sehr radikaltheologischen Ansatz vertreten, in dem er sagt, jede Verliebtheit wurzelt allein im Geschlechtstrieb. Das ist, glaube ich, eine sehr klare Position, wo alles von unten herauf gedacht wird. Da hat es freilich auch ganz andere gegeben, wie etwa den Romantiker Hegel, der eben einen romantischeren Zugang gehabt hat, und die ganze Liebe als etwas Göttliches, nämlich tatsächlich metaphysisch Göttliches gesehen hat.

Moderator: Als störendes Ingredienz im erotischen Gefühlscocktail wird die Eifersucht empfunden. Was raten Philosophen im Umgang mit ihr?

Harald Koisser: Die Eifersucht ist schlicht und einfach hier. Und die Toleranz, die ich mitbringe, hoffentlich mitbringe, ist ein Weg, die Eifersucht, die auch mir als Eifersüchtigem selbst schädlich ist, einzudämmen.

Eugen Maria Schulak: Es wäre ganz gut, wenn man außer einem emotionalen Zugang, den man bei diesem Thema mit Sicherheit hat, vielleicht auch noch einen anderen Zugang findet, der etwas mit Menschlichkeit zu tun hat, mit Verständnis, mit "den anderen auch verstehen wollen", mit Zuhören und mit Argumentation.

Moderator: Starkoch Christian Petz hat den Abend lukullisch umrahmt. Von ihm erbat Leporello noch Aufklärung über ein Randthema des erotisch-philosophischen Diskurses. Welche Rolle spielen die uralten Gerüchte rund um aphrodisierende Gerichte?

Christian Petz: Solche Sachen müssten sicher auch dementsprechend inszeniert werden, und wenn man sich ein bisserl darauf einlässt, wenn man sich darauf vorbereitet, darauf freut, dann hat das sicher auch einen Effekt.

Moderator: Der fünffache WINE-MAKER OF THE YEAR, Alois Kracher wiederum, setzt aus Erfahrung darauf, dass seine edlen Tropfen dem Liebesgott gefällig sind.

Alois Kracher: Wein war immer ein Teil des Lebens, so wie Eros, so wie Beziehungen, und gemeinsam sind sie am schönsten. Der Wein und die Beziehungen. Ich hoffe, dass ich mithelfen kann, damit Beziehungen funktionieren, damit Gespräche funktionieren, damit Konfrontationen, auch auf der erotischen Ebene, besser dargestellt werden können.