back

Eine neue Praxis für die wichtigen Fragen des Lebens

Der Denker Eugen-Maria Schulak "ordiniert" als erster Philosoph in Wien

UWE MAUCH
Kurier vom Dienstag den 29. Dezember 1998

 

Er selbst bezeichnet sich als "Mittelsmann zwischen dem Konvolut an philosophischen Einsichten, die sich im Laufe der Geschichte angesammelt haben, und den Fragen an die Philosophie, die meine Klienten aus dem konkreten Alltag zu mir in die Praxis mitbringen".

Philosoph mit eigenen Klienten und eigener Praxis? Eugen-Maria Schulak, ein stoisch ruhiger Mensch, hat zwei Dinge in seinem Leben getan, wovor Arbeitsmarkt-Experten und um die Zukunft ihrer Kinder besorgte Eltern seit Jahren dringend abraten: Er hat a) Philosophie studiert und er hat b) darauf seine materielle Existenz aufgebaut.

Philosophische Praxis - Dr. phil. Eugen-Maria Schulak, steht auf seiner Visitenkarte. Die Praxis hat Schulak, der ein gut dotierten Job in der Werbebranche zugunsten der Philosophie aufgegeben hat, in einer ruhigen Altbauwohnung in der Josefstadt eingerichtet. Abseits der elfenbeinernen Türme der Universität will der freiberufliche Dr. phil. ein in Deutschland, Israel und den USA bereits gutgehendes Gewerbe etablieren.

Seine Klienten stehen mit beiden Beinen im Leben: Hier die Top-Managerin, die einen maroden Betrieb aus dem Chaos geführt hat, dabei allerdings auch einige Mitarbeiter entlassen mußte - sie will mehr über die Prinzipien Chaos und Ordnung erfahren und auch über den Wert der Arbeit diskutieren. Dort ein älterer Rechtsanwalt, der sich über die aktuellen, postmodernen Theorien zum Thema Gerechtigkeit schlau machen möchte. Oder die Hausfrau, die für ihre Alltagstheorien nach Geistesverwandtschaften und Gegenpositionen sucht.

Nach einem Erstgespräch, in dem die Fragen erörtert werden, sucht der Vordenker in der Literatur nach Standpunkten und Gegenstandpunkten. Therapie bietet er nicht. "Das kann und darf ich nicht, dafür sind die Psychotherapeuten zuständig", betont Schulak. "Ich bin vielmehr der, der die Informationen beschafft und damit das scheinbar Selbstverständliche in Frage stellt." Übrigens "handelt es sich hierbei um ein uraltes Gewerbe. Nichts anderes haben meine Kollegen in der Antike getan". Die vier Grundfragen von Kant: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

Philosophische Praxis ist auch im Kaffeehaus oder bei einem Spaziergang möglich. Ab Februar wird sich Schulak auch im Internet präsentieren. Anmeldungen unter 01 / 402 12 40.