Networking, Reputation, Management

Auszüge aus einer Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Blue Hour" des Alumni-Clubs der Donau-Universität Krems am 6.3.2008

 

Moderation:
Dr. Michael Prüller (stellvertretender Chefredakteur "Die Presse")

Teilnehmer:
Thomas Friedschröder, Unternehmensberater in Wien;
Heidi Glück, Spezialistin für PR-und Kommunikationsfragen;
Univ.-Prof.in Dr.in Hanna Risku, Leiterin des Departments für Wissens- und Kommunikationsmanagement
an der Donau-Universität Krems;
Dr. Eugen-Maria Schulak, Philosoph und Leiter einer Philosophischen Praxis in Wien.


 

Prüller: Einen schönen guten Abend.... Eugen-Maria Schulak hat auch schon in der PRESSE publiziert, muss ich gleich dazusagen, wird das auch hoffentlich weiterhin tun. Er schreibt gerade zwei Bücher, hat er gesagt, und wenn er die fertig hat, kommt er vielleicht wieder mehr dazu. Eugen-Maria Schulak ist studierter Philosoph, hat sich in den letzten Jahren sehr viel auch im Umkreis der Wirtschaft bewegt, hat mit vielen Managern gearbeitet. Er hat etwas gegründet, es heißt "Philosophische Praxis", das klingt so wie "Hautärztliche Praxis" oder so. Sie können sich dort nicht nur einen "chronischen Schopenhauer" behandeln lassen, das auch vielleicht, sondern, wenn ich das richtig verstanden habe: Es ist die Philosophie heranzuziehen, wenn man sich dem Leben der heutigen Zeit wie immer nähern möchte. Da kann man mit Ihnen Kontakt aufnehmen und wird da auf dem Wege der Philosophie vielleicht ein Stück weiterkommen. Da schwingt so ungeheuer viel mit bei networking. Wie stehen Sie jetzt zu dem Phänomen, dass networking so spannend wird in der letzten Zeit. Ist das eher ein menschlicher Verlust oder ein menschlicher Gewinn? Auch mit Ihrem Einblick in die Wirtschaft und als Philosoph gesprochen.

Schulak: Im Grunde ist es ein altes Phänomen, das man eben heute networking nennt. Man hat immer kooperiert, man hat immer Kontakte gebraucht. Menschliches Handeln ist generell Kooperation, man tauscht das Unterschiedlichste aus, zum eigenen Vorteil. Also niemand tauscht etwas freiwillig ein, das ihm zu Nachteil gereicht; außer, wenn er sich geirrt hat, so hat er zumindest vorgehabt das zu tun. Es ist ein altes Phänomen, das professionalisiert wird. In diesen Professionalisierungen liegt natürlich eine Tücke, weil der Einzelne vielleicht in der Hoffnung steht, dass er mit irgendwelchen Tricks etwas erreicht. Das funktioniert natürlich nicht. Bei keiner Karriere funktioniert das, wenn man herumtrickst, vielleicht ein bisschen, aber zumindest nicht auf Dauer. Auch nicht in der Wissenschaft, denn selbst wenn einen ein renommierter Professor empfiehlt und man entspricht dann nicht, dann ist man den Job los. So renommiert kann der gar nicht sein, das ist eine Täuschung, das wird nicht funktionieren.

Das andere ist, dass networking ein bisschen technisch klingt. Wenn man von Beziehungen spricht, dann klingt das je nachdem wie man das meint, das kann es sehr eng und liebevoll sein, kann aber auch dieses "Vitamin B" sein, das Sie schon auch angesprochen haben. Man kann natürlich auch von Freundschaft sprechen. Ein Network-Partner ist wahrscheinlich kein Freund, wenn er nur Network-Partner ist. Er kann ein Freund sein, muss aber kein Freund sein. Freundschaft ist doch eine andere Dimension, etwas sehr Wertvolles, das entstehen kann und auch sehr viel mit Vertrauen zu tun hat. Geschäfte zu machen mit Freunden ist überhaupt das Beste, das einem passieren kann. Natürlich birgt auch das Tücken. Einem Freund kann man vertrauen, vertraut man, dadurch erspart man sich viele Sorgen, falls es gut funktioniert. Allerdings kann im Geschäftsleben Freundschaft Probleme hervorrufen, z. B. wenn Sie jetzt der Geschäftsführer eines Unternehmens sind und Sie haben einen guten Freund, der in Nöten ist, und er will, dass er einen Auftrag bekommt. Sie müssen zwei, drei Angebote einholen, und er entspricht einfach nicht, weil er vielleicht ein Alkoholproblem hat und deswegen "am Sand" ist; und Sie geben ihm einen Job nicht, aus guten Gründen nicht, dann haben Sie ein Problem. Wenn die Freundschaft das aushält, dann ist sie großartig, aber sie wird jedenfalls auf eine Belastungsprobe gestellt. Das sind die Grenzen, die kann man dann nicht mit irgendwelchen tools reparieren, da wird es ernst. Unabhängig davon ist jeder, der beruflich vorwärts kommen will, gut beraten, Menschen zu mögen. Einmal prinzipiell. Eine Voraussetzung, mit Menschen zu sprechen, so zu sprechen, dass man einen versteht, sich gut zu benehmen, zuzuhören, zuhören können, nicht nur selber etwas von sich zu geben. Und so zu Informationen zu kommen, so sich zu verbreiten. Das ist ganz normal, so muss man das tun. Es ist auch verständlich, dass sich auch das professionalisiert. Aber so, wie Sie gesagt haben: 17 Uhr 15 ist networking, das klingt ein bisschen peinlich, da schwingt etwas mit, dass man "auf die G'schwinde" eine Beziehung "abstaubt", die man dann irgendwie nutzen kann. Das ist ein Irrtum. Das funktioniert einfach nicht. Durch diesen Begriff wird vielleicht etwas geschürt, das gar nicht stattfinden kann.

Prüller: Ich würde vielleicht noch, bevor wir uns ganz praktisch einmal dem praktischen networking, dem "Wie macht man es richtig?" zuwenden, eine wirtschaftspolitische Frage an Sie stellen, die noch ein wenig komplizierter ist, als wie ich mich sonst auszudrücken pflege. Wir haben die Frage gestellt, was ist eigentlich, was wäre der Zustand ohne networking. Ohne einen aktiven Aufbau und die Gestaltung von Beziehungkreisen, wenn ich das vielleicht einmal so sage.

Das wäre ja nicht die beziehungslose Gesellschaft, wo jeder nur quasi ad hoc und auf Grund seiner eigenen Fähigkeiten im momentanen Zustand jetzt etwas erreicht oder nicht erreicht, sondern das wäre ja eigentlich die totale Vorherrschaft von vorgegebenen Netzwerken. Es gibt beispielsweise Untersuchungen, die sagen: In Deutschland kommen 80 % der Besetzungen von gewissen Posten, Managern, Vorstände in börsenotierten Unternehmen, Richter, Staatsanwälte usw., aus Familien, die genau diesem Milieu angehören; also es gibt Milieus, die sich eigentlich selbst reproduzieren. Und das networking ist eigentlich ein Korrektiv, das gestattet, dass sich Beziehungen auch außerhalb dieser Milieus bilden, und dass Leute, die nicht von vornherein prädestiniert sind, weil sie der Sohn vom Generaldirektor sind, dass die dann auch wohin kommen. Der Sohn vom Generaldirektor braucht das gar nicht, was wir heute als networking verstehen, denn er kennt die anderen eh. Weil zu Hause - die ganze Firma war zu Hause schon zu Gast - usw. Ist das quasi ein positives, aufmischendes, ein demokratisierendes Element? Könnte man das so sagen?

Schulak: Das könnte man so sagen. Klingt schön, wie Sie das so beschreiben. Also, wenn man natürlich aus einem großbürgerlichen Milieu kommt, dann hat man ja auch ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Das merkt man schon bei den Jugendlichen. Ein 18Jähriger, der aus so einem Elternhaus kommt, geht durch ein Zimmer, dass alles nur so "spritzt", das habe ich schon gesehen. Man wundert sich, wo er das her hat. Das hat er gelernt, das hat er im Blut, und das ist klarerweise ein Vorteil. Andere müssen sich das erarbeiten. Weil sie eine Studie erwähnt haben, möchte ich auch eine erwähnen. Da gibt es eine sehr erheiternde, von einem gewissen Ed Stringham, 2006. Der ist draufgekommen (die Studie hat ziemlich Furore gemacht, die ist durch die ganze Welt gegangen), dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Alkoholkonsum und der Höhe des Verdienstes. Und zwar Leute, die bis zu 14 Glas Alkohol, und zwar egal, ob Schnaps, Bier oder Wein, in der Woche trinken, mehr verdienen als die anderen. Mehr verdienen als die, die nichts trinken. Und mehr verdienen als die, die mehr als 14 Glas in der Woche trinken.

Prüller: Also einen einkommensoptimierenden Alkoholkonsum.

Schulak: Das gibt es, ja. Und die Erklärung, warum das so ist, ist die, dass dieses Trinken - es geht ja nicht um ein einsames Trinken - ein geselliges Trinken ist. Nach der Arbeit geht man mit Arbeitskollegen oder mit der Vorgesetzten, dem Vorgesetzten etwas trinken. Da lockert sich etwas, und man spricht vielleicht ein bisschen privater und kommt einander näher. Das hat offensichtlich einen Vorteil. Man erfährt etwas, man bekommt Informationen, die interessant sind, spannend sind. Vielleicht kommt es aber auch zu peinlichen Vorfällen, sodass man am nächsten Tag nicht mehr "per Du" sein will, wo man es doch war. Aber, wie gesagt, es geht nicht um "Saufen", nicht um Alkoholismus, sondern um Geselligkeitstrinken. Und ich habe das sehr spannend gefunden. Da hat jeder die Möglichkeit mitzumachen, egal, woher er kommt.

Prüller: Geht es da nicht auch um die uralte, immer gegenwärtige Frage der Menschen: Gehört der, gehört die, zu uns? Ist die eine von uns? Und da ist dieses Gefühl, dass die eine von uns ist, hergestellt, das wirkt dann so: Beim Trinken kommen die Leut' zusammen, nicht nur beim Reden.

Schulak: Und baut vielleicht auch Vorurteile ab. Der hat vielleicht eine andere Sprache, er hat andere Dinge gelesen, konsumiert auch eine andere Kunst, oder was immer. Aber man merkt, der ist vielleicht ganz in Ordnung. Beim zweiten Viertel. Das kann passieren. Und das ist durchaus in Ordnung.

Prüller: Jetzt stelle ich eine ganz blöde Frage, dafür aber eine ganz kurze. (An Friedschröder). Wenn ich zu Ihnen komme und sage: Ich habe das Gefühl, ich fasse nicht Fuß, es greifen meine Anstrengungen nicht, ich müsste mehr networking machen. Wieviel networking müsste ich denn machen? Wieviel meiner Freizeit sollte ich bewusst dem Pflegen von Beziehungen widmen?

Friedschröder: Das ist eigentlich eine der zentralen Fragen, denn das einzige Problem beim Netzwerken ist eigentlich die Zeit. Wenn Sie genug Zeit hätten, könnten Sie...; d. h. den Zeiteinsatz, den man erübrigen kann für das Thema, wie immer er zu definieren ist, den müssen Sie, meiner Meinung nach, gezielt einsetzen, d. h. ich muss immer überlegen, wer die Leute in meinem Netzwerk sein müssen. Das muss jetzt nicht unbedingt hierarchisch geordnet sein. Die Vorgesetzten, die Topmanager, das könnte es genau sein, ich hätte gern ein paar Querdenker in meinem Netzwerk, die mir gute Ideen liefern. Ich hätte gern ein paar Leute, die vielleicht aus der Philosophie kommen und ein bisschen Reflexionsmöglichkeit bieten; ich hätte gern ein paar Leute in meinem Netzwerk, die aus der Kunstwelt kommen, mit denen man dann über Kunst reden kann. Es hat auch Untersuchungen gegeben, was die ganz tollen "powervollen" Netzwerke ausmacht, und das war die Diversität. Je unterschiedlicher die Netzwerke sind, desto mächtiger, nicht im Sinne von Einfluss, sondern von Gestaltungsmöglichkeiten, sind sie. Und da muss man die Frage ein bisschen umdrehen und überlegen: Was ist jetzt der Nutzen, den ich persönlich vom Netzwerken habe. Wo ich vielleicht beruflich - wie Frau Glück gesagt hat - mir ein bisschen leichter tu, wo ich auch mehr Zugang zu Themen, Experten oder Expertenwissen habe; und dann muss ich mir auf der anderen Seite überlegen, was ist es mir wert an Zeit, die ich aktiv hineinstelle. Also wirklich bewusst entscheiden, überlegen. Man kann auch über das Ziel im Netzwerk nachdenken. Zum Netzwerken muss man gar nicht zu Veranstaltungen gehen. Und ich glaube, dass es nicht viel mehr Zeit ist als die, die man im Alltag verbringt.

Prüller: Eine Frage an Sie (Risku): Kommt die steigende Bedeutung von Netzwerken den Frauen in der Wirtschaft zugute? Es gibt das alte Vorurteil, die Frauen sind in typischer Weise talentiert zum Aufbauen von Beziehungen, auch machen sie sich ja mehr Gedanken über Beziehungen. Ist das eine Stärke, die hier angesprochen wird, die Frauen in der Wirtschaft entgegenkommt? Oder ist das auch nur so ein altes männliches Vorurteil?

Risku: Ich bin nicht unbedingt eine Gender-Forscherin, da gäbe es sicherlich Personen, die da gleich die nächsten Untersuchungen zitieren könnten. Ich glaube, es kommt den kommunikativen Personen zugute, also denen, die immer schon dieses Sprechen, dieses Zuhören, konnten. Das schreibt man den Frauen zu. Ich kenne Frauen, die das nicht können, ich kenne Männer, die das können. Also da würde ich nicht nach den Geschlechtern Grenzen ziehen. Aber eher an der Fähigkeit zur Kommunikation.

Ich denke schon, dass die Wahrnehmung von Netzwerken eine Kompetenz ist, die ich lernen kann. Und wenn ich das an mir selbst erfahren habe - ich überlege mir, wie glaube ich, dass dieses Netzwerk hier in unserem Lehrgang und unserer Gruppe aussieht - und wenn ich das dann wirklich dargestellt sehe als Netzwerk und ich einer von diesen Knoten bin, das sind schon Aha-Erlebnisse, die tatsächlich dann auch als die Entwicklung im Laufe des Lehrgangs zu sehen sind. Wir wenden das übrigens auch an uns selbst an. Und da ist es dann immer spannend zu sehen: wie weit bilden sich Knoten, die plötzlich in einem Department sind, wo gibt es dann Kooperationen, wo sprechen die Leute dann miteinander, tatsächlich, und nicht nur als rituelles "miteinander Essen gehen", weil man halt da zusammen ist in einem Department und miteinander kommunizieren muss. Wo gibt es sinnvolle, gute Kooperationen.

Prüller: Nach welchen Kriterien analysieren Sie die Netzwerke?

Risku: Das ist ja das Spannende an den Netzwerken, dass es nicht das Netzwerk an sich gibt, sondern ich kann das unterschiedlich darstellen nach unterschiedlichen Kriterien. Für uns ist es jetzt einmal ein Instrument gewesen, überhaupt etwas sichtbar zu machen, was sonst implizit geschieht und was einem nicht so wahrnehmbar ist, ohne eine solche Analyse. Und auch die Dynamik sichtbar zu machen. In den Lehrgängen. Und innerhalb des Departments ist es sicherlich auch ein Versuch, das als Management-Instrument zu verwenden. Zu überlegen, was wäre eigentlich das bestmögliche Netzwerk. Da gibt es relativ wenig wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, was das Management-Team als Netzwerk haben muss. Welche Art von Personen und Netzwerken muss ich haben innerhalb des Teams, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da versuchen wir einfach die Zusammenarbeit abseits des Organigramms erfahrbar zu machen.

Prüller: Wir sehen aber, dass da wahrscheinlich eine andere "Analyse" ist als das, was Sie da betreiben. Einer unserer Konkurrenten, ich weiß ehrlich nicht mehr, welche Zeitung das ist, die auch einmal die Netzwerke Österreichs untersucht hat und auch solche Rechnungen angestellt hat, z. B.: Jeder, der mit mir keine Arbeit geschrieben hat, kriegt den Faktor 1, und jeder der mit mir eine Arbeit geschrieben hat, kriegt den Faktor 2. Und so konnte man die Nähe und das Geflecht bestimmen; und das haben die also gemacht. Und dann haben sie ausgerechnet, welche Leute da das weiteste Beziehungsgeflecht haben und wie lange es dauert, bis man von einem zum anderen kommt. Wie viele Leute muss man ansprechen, damit man vom Ludwig Scharinger zum Landesamtsdirektor in Vorarlberg eine Verbindung schaffen kann. So ungefähr. Und haben also Netzwerke auf diese Art und Weise betrachtet. Unglaublich, wie viele Leute in zweiter Ebene oder in dritter mit jemand wie Ludwig Scharinger Kontakt haben könnten. Die jemanden kennen, der den Scharinger kennt. Oder die jemanden kennen, der jemanden kennt, der den Scharinger kennt.

Ich möchte Sie auch etwas ganz Konkretes fragen. Wenn ich zu Ihnen komme und sage, Frau Glück, ich kenne nur so wahnsinnig langweilige Leute, die mir beruflich auch nichts bringen, ich kenne vor allem nur Leute, die genau so sind wie ich, die auch nur auf der Suche sind nach Leuten, die beruflich etwas bringen. Wie lerne ich interessante Leute kennen, die später einmal auch wichtig sein können für mich? Wie würden Sie dann vorgehen? Gibt es überhaupt jemand, der nicht so dumm wie ich jetzt gefragt hat, der aber mit diesem Anliegen zu Ihnen kommt? Bringen Sie mich mit interessanten Leuten zusammen.

Glück: Also in der Form, wie Sie es formuliert haben, nicht ganz (lacht). Aber ich sage jetzt: Ja, natürlich! Denn ich bin ja auch Lobbying-Beraterin. Eine Profession, die in Österreich auch erst seit einigen Jahren auf der professionellen Ebene existiert, nämlich außerhalb von institutionalisierten Lobbys, Gruppierungen außerhalb von Industriellenvereinigung, Kammern, ÖGB etc. Und da geht es letztlich schon auch darum, wie kann man z. B. Gesprächskontakte aufbauen. Jetzt muss ich es ein bisschen verklausuliert erzählen, aber ich habe z. B. eins meiner Projekte... im Bereich des Bankenwesens, und da geht es einfach darum, dass man den Finanzminister dazu bringt, eine Gesetzesänderung herbeizuführen, um in einem bestimmten Bereich eine andere Grundlage zu schaffen. Was ich damit sagen will: Es hat mehrere Versuche gegeben, über Einzelpersonen so ein Projekt in Gang zu bringen auf der politischen Ebene, das zumindest bevor Sie an mich herangetreten sind, nicht erfolgreich geendet hat. Dann haben die sich überlegt: Wir sollten uns vielleicht jemanden engagieren, der uns behilflich ist, der uns ein wenig auch eine Systematik darumbaut, der uns vielleicht eine Argumentationslinie findet, und wie können wir trotzdem unser Ziel erreichen. Das ist die Frage, die ich Ihnen als erstes stellen würde: Welches Ziel wollen Sie denn erreichen? Ich glaube, das ist auch das, was man sich überlegen sollte. Wenn man jetzt hergeht und sagt wirkliches gezieltes Netzwerken zu betreiben, dann, glaube ich, ist es ganz wichtig, dass man weiß, mit welchen Zielen mache ich das eigentlich.

Ich muss mir, und ein bisschen haben Sie es ja angedeutet, ich muss mir schon eine Systematik überlegen, wo gehe ich hin, in welche Gruppen will ich hineinkommen, um mir diesen Weg dorthin einfach zu erleichtern. Wen könnte ich treffen, mit wem könnte ich eine Gesprächsbasis aufbauen, um dort leichter Zugang zu erhalten. Und dieser Zugang zu Gepsrächspartnern, den man normalerweise nicht hat, ich glaube, das ist der Kern des Netzwerkens, um den es letztlich dann auch geht. Oder wenn es um einen Job geht, wo Ihnen das Netzwerk helfen kann hineinzukommen, wo Sie sonst schwierigen Zugang haben. Und z. B. gerade im Bereich des Lobbying, das ist genau das. Sie überlegen sich, wie können Sie für ein Wirtschaftsunternehmen eine Situation schaffen, wo das Interesse des Unternehmens, wo es um politisches Lobbying geht, zu einem breiten allgemeinen Interesse werden kann. Und wenn Sie eine Möglichkeit finden, eine Überzeugungslinie aufzubauen, wo Sie sagen, das ist nicht nur für das Unternehmen gut, dass es ein bestimmtes Ziel verfolgt, sondern es ist auch für die Politik gut, oder es ist vor allem für die Bevölkerung gut, weil man da etwas erreichen kann für mehrere Leute, dann macht das auch einen Sinn, dann finden Sie auch Gehör. Mit Überzeugungsarbeit, Einsatzwillen und natürlich Willen von beiden Seiten, können Sie dadurch schon einiges erreichen.

Prüller: Nun zum Philosophen (zu Schulak), aus dieser Diskussion heraus. Und dann sind Sie gleich nachher herzlich eingeladen, auch Ihre Fragen zu stellen oder Ihre Interventionen zu starten.
Sie schreiben gerade ein Buch über Unternehmerethik, und das ist vielleicht jetzt im Randbereich der Unternehmensethik angesiedelt: Sie haben auch vorher gesagt, am besten ist es, wenn man mit Freunden Geschäfte machen kann. Es ist natürlich unser aller Vorstellung, das Beste wäre, dass wir uns über das Networking Freunde schaffen könnten, auf die wir dann zählen könnten. So wie Sie auch gesagt haben, wenn man dann etwas verwirklichen kann, was man allein nicht kann. Wenn man sich verlassen kann, also nachhaltige Beziehungen hat, die man, mit einem altmodischen Begriff, Freundschaft nennen könnte. Da komme ich in ein gewisses Dilemma hinein. Wenn ich versuche, gezielt echte Freundschaften aufzubauen, weil ich sie einmal brauchen könnte. Das geht irgendwie nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich mit so einem Problem zu Ihnen in die Praxis komme. Wie komme ich damit zurecht. Wie kann ich Freundschaften aufbauen, die mir später helfen sollen, aber ohne dass ich quasi diese Absicht von vornherein in diese Freundschaft hineinlege, weil sie dann nicht funktioniert.

Schulak: Da haben Sie gleich das Paradox formuliert. Das ist natürlich eines, da haben Sie völlig recht. Ich würde sagen, man macht in seinem Leben ja viele Bekanntschaften und knüpft viele Kontakte. Daraus ergeben sich ab und an Freundschaften. Das sind die glücklichen Zufälle. Und wenn man es sich aussuchen kann, mit diesen Freunden Geschäfte zu machen, wenn da die Möglichkeit ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten, an Projekten zu arbeiten, dann hat man Glück. Aber sich Freunde zu schaffen mit dem Vorsatz, sie nachher einmal zu benutzen, da wird es eng. Natürlich, die Freundschaft liegt schon auch im wechselseitigen Nutzen. Das hat der alte Epikur klar erkannt. Der Ursprung der Freundschaft liegt im wechselseitigem Nutzen. Niemand ist mit jemandem befreundet, von dem er überhaupt nichts hat, mit dem man nicht einmal ein Gespräch führen kann, das ihn freut. Also wenn da gar nichts ist, dann ist er nicht mein Freund, das ist ja klar. Etwas hat man. Und jetzt ist die Frage, wie viel und was man sich erwartet. Ich würde sagen, gezielter strategischer Aufbau von Freundschaften ist Unsinn.

Prüller: Also würden Sie jemandem sagen, lass es? Er kommt und fragt: Wie baue ich Freundschaften auf?

Schulak: Man erwirbt sich welche im Laufe seines Lebens, und man tut gut daran, sie zu pflegen. Und ich glaube - das ist eine alte Weisheit, die sicherlich ihre Richtigkeit hat - dass man ohne gute Freunde verloren ist. In den unterschiedlichsten Situationen. Das hat gar nichts mit Geschäftsleben zu tun, sondern ganz generell. Und man hat da einen gewissen Schatz im Laufe seines Lebens aufgebaut.

Prüller: Muss man sich dessen bewusst sein, dass man sich ab einem gewissen Zeitpunkt mit dem Networking, aber nicht mehr mit dem Aufbauen von Freundschaft beschäftigt? Also ich habe da mal jemanden interviewt, den ehemaligen Chef von Walt Disney, Mike Eisner, das war ein sehr interessantes Interview - der eine kontroverse Führungspersönlichkeit war, der Disney sehr weit nach vorn gebracht hat, aber sich sehr viele Feinde geschaffen hat. Unter anderen auch Leute, mit denen er viele Jahre auch sehr gut zusammengearbeitet hat. Und da gibt es viele - von Jeff Katzenberg angefangen, der die ganzen Trickfilme für ihn gemacht hat und der dann weggegangen ist, weil sie sich irgendwann einmal zerkracht haben. Und der dann gesagt hat, ja, das kann er nicht machen, denn das wäre ein schlechtes Geschäft. Und er hat sie ziemlich schlecht behandelt. Ich habe ihn dann gefragt. Wie ist es, gibt es überhaupt Feundschaft? Und er hat gesagt, ja, das gibt es. Und da habe ich gesagt, ja, aber dieser oder jener Fall..., und da hat er gesagt, wissen Sie was? Ich glaube ans Blut und an die Volksschulfreundschaften. Alles Spätere sind nur mehr Geschäftspartnerschaften. Das ist die Zeit, wo man vielleicht als Mensch noch nicht absichtsvoll handelt. In der Volksschule erwirbt man sich einen Freund, im Kindergarten gehen sie aufeinander zu, da muss einer sagen: "Willst Du mein Freund sein?". Aber das ist noch nicht so eine Situation wie später, wo dieses "Vielleicht wirst Du mir einmal nützlich sein" viel stärker im Vordergrund steht.

Schulak: Also ich kann mir, ohne den Herrn zu kennen, vorstellen, wodurch so eine Situation entsteht. Man macht im Laufe einer Karriere, je steiler sie ist, desto mehr, sehr viele Bekanntschaften, d. h. man kommuniziert mit immer mehr Menschen. Das kostet Zeit. Auch wenn die Kommunikation knapp gehalten wird, kostet das Zeit. Und das Problem ist, wenn man einen neuen Freund oder eine Freundin dazugewinnen will, dann kostet das auch Zeit. Und das Traurige daran ist, dass man eigentlich ab einem gewissen Belastungsniveau oder Zeitkonsumniveau, wie man das nennen will, eigentlich einen Freund entlassen muss, wenn man einen neuen dazugewinnen will. Weil man überhaupt keine Zeit mehr für ihn hat. Das ist ungut. Und wenn man jetzt sehr viele Networking-Kontakte hat, dann muss man Freunde entlassen und verliert auch Freunde, denn wenn man eine Freundschaft nicht pflegt, irgendwann ist sie tot. Ich kann nicht nach 10 Jahren anrufen und sagen, ah, ich habe eigentlich noch Freunde, das ist schön. Aber die wollen dann nichts mehr von einem, oder man ist dann fremd, da sitzt man am Tisch und weiß nicht mehr, was man reden soll. Wenn das passiert, hat man dann keine Freunde mehr. Vielleicht ist dem Mann das passiert. Vielleicht hat er so viel kommuniziert, dass er seine Freunde verloren hat. Und dann hat er vielleicht noch einen Volksschulfreund irgendwo sitzen, der ihm die Treue hält, auch wenn er ihn 20 Jahre nicht angerufen hat. Dann hat er Glück gehabt.

Prüller: Das kann durchaus sein. Bevor wir dann ganz zur Technik kommen, frage ich noch einmal (zu Risku): Gibt es eigentlich schwere Fehler, die man machen kann beim Networking? Erwartungen, die von vornherein nicht erfüllt werden können?

Schulak: Ich knüpfe an die Diskussion vorab an. Es wäre tatsächlich eine falsche Schlussfolgerung, wenn ich versuchen würde, in meinem engen Freundeskreis auch die neuen Jobs für mich zu finden. Also das ist genau das, was man bisher in den wenigen wissenschaftlichen Erkenntnissen über diesen Bereich wirklich immer wieder hört. Wenn ich einen neuen Job haben will, dann sind nicht meine engsten Freunde die, die mir den schaffen, sondern die Bekannten von den Bekannten. Das sind dann die weak links, die schwachen links , die plötzlich stark sind. In diesen Situationen ist es sehr wohl sinnvoll, die Visitenkarten noch beizubehalten und sporadisch sich irgendwo zu melden, den Ball sozusagen noch im Spiel zu halten. Und deshalb würde ich das auch trennen, den Freundeskreis und andererseits das große Netzwerk, das eben auch virtuell sein kann.

Prüller: Gut. Bleiben wir vielleicht noch bei den Fehlern. Was kann man für Fehler machen, wenn man ans Networking herangeht?

Friedschröder: Ein ganz großer Fehler, das ist eine Hypothese von mir, ist das Thema Ethik, Vertrauen und auch Ehrlichkeit in Netzwerken, das in den professionellen Netzwerken, von denen ich spreche, eine sehr große Rolle spielt. Wir haben beobachtet, wie jemand gegen Spielregeln in einem Netzwerk massiv verstoßen hat und sofort aus dem Netzwerk entfernt wurde. Und zwar aktiv entfernt wurde. Nicht nur aus dem Netzwerk, sondern aus allen Netzwerken der Teilnehmernetzwerke, d. h. wenn hier jemand einen groben Regelverstoß begeht - in dem Fall war es eine wirkliche In- diskretion über etwas sehr Heikles - dann ist der sofort draußen. Da muss man sehr vorsichtig sein und sehr gut durchdenken; das ist, glaube ich, eine wichtige Sache.

Prüller: Sie (zu Glück) haben auch gesagt, man kann Fehler machen.

Glück: Ja. Ich glaube, wichtig ist, dass man sich dessen bewusst ist, welche Rolle man spielt. Auch innerhalb des Netzwerks: Wo ist meine Position. Und da ist es auch ganz wichtig, dass man eine gute Selbsteinschätzung hat, wie weit kann man vom Netzwerk Dinge verlangen, für sich, von den Leuten, die man trifft. Wie weit kann man sie für sich nutzen, ohne gezeigt zu haben, dass man schon selber einen Beitrag leistet. Dieses Geben und Nehmen letztlich, um das es auch geht. Wenn ich dort glaube, irgendwo hineinzukommen oder dabei zu sein, um da quasi so richtig "abräumen" zu können, das fällt relativ schnell auf. Da muss man den ersten Schritt machen um zu zeigen, ich bin bereit, etwas einzubringen in diese Runde oder in diesen Club oder Verein, wie auch immer, und bin auch bereit zu geben, dann kann ich auch von anderen etwas erwarten. Und wenn man diese Rollen vertauscht, fällt das sehr stark auf, und das ist letztlich relativ gefährlich, weil Sie dann an die Wand gedrängt werden und ganz schwer wieder eine Chance haben, im Netzwerk selber ein aktiver Teil zu sein, der diese Balance des Gebens und Nehmens auch wirklich wiedergeben kann. Oder Vertrauen missbrauchen. Es geht auch ein bisschen in diese Richtung. Verantwortungsbewusstsein, auch den anderen gegenüber Vertrauen aufbringen. Das sind schon Dinge, die man in ein Netzwerk aktiv einbringen muss.

Prüller: Aber jetzt gibt es Netzwerke, die vor allem fürs berufliche Fortkommen geschaffen werden. Also da machen wir jetzt einen Club, da treffen sich jetzt die high potentials oder die zweite Ebene, oder es trifft sich überhaupt nur die erste Ebene oder so. Mir hat einmal jemand gesagt, dass er so eine Sache ins Leben gerufen hat: Das Problem, das ja viele Generaldirektoren haben, ist, sie wollen in so etwas nicht hineingehen, wenn dort nicht nur Generaldirektoren sind. Dauernd mit den Leuten zum Frühstück beieinander zu sitzen, wo lauter Leute herkommen, die von einem etwas wollen, weil die sagen Gott sei Dank bin ich jetzt bei derselben Frühstücksrunde wie der Generaldirektor, ist das furchtbar mühsam. Haben solche Netzwerke überhaupt eine positive Funktion, kann man so etwas wirklich nützen? Andere Netzwerke, ich sage jetzt ein Alumni-Club, der ergibt sich aus einer Situation, in der man gemeinsam war. Wo Sie sogar tatsächlich so etwas wie Freundschaften aufgebaut haben, oder wo man etwas miteinander teilt; wo man sagt, wir sind doch beide da zwei Jahre in Krems gesessen und haben es überlebt, das ist dann doch ein einigendes Erlebnis. Da haben wir was davon. Oder die Alten, bis hin zum Kameradschaftsbund, die haben dieselbe Situation erlebt. Diese rein zum Knüpfen von Beziehungen aufgebauten, relativ losen Frühstücksclubs - hat das einen Sinn? Wer immer darauf antworten will...

Friedschröder: Also vielleicht eine Idee dazu, weil wir sehr oft diskutieren, was ist ein Netzwerk und was ist ein Service-Club oder eine Service-Plattform: Ich würde da sehr gut unterscheiden. Netzwerke sind eher etwas, was sich systemtheoretisch nicht gerade zufällig, aber nicht extrem geplant, bilden kann. Netzwerke wirklich so strukturiert aufzubauen, das funktioniert gar nicht. Man kann den Impuls setzen, und dann entsteht etwas. Das andere sind Service-Clubs. Ich persönlich zähle auch round-table dazu. Das ist per se noch kein Netzwerk. Wenn ich jetzt zum round-table dazugehe, dann habe ich leichter Zugang zu Netzwerken. Aber es ist etwas anderes als ein Netzwerk zu haben. Da muss man unterscheiden. Und ich glaube, dass viele dieser Plattformen und Service-Clubs einfach wirklich nur dazu dienen, um gewisse Situationen herzustellen. Dass eben Generaldirektoren unter sich in Ruhe frühstücken können. Das ist für die eine Funktion. Ob es gut ist, ist eine andere Frage. Aber Alumni-Clubs und alle anderen Vereine ziehen ja in dieselbe Richtung. Und da muss man unterscheiden, was ist jetzt ein Service-Club mit einer gewissen Funktion, und was ist wirklich ein Netzwerk. Da sind, meiner Meinung nach, zwei paar Schuhe.

Risku: Ich denke, es hängt auch davon ab, welchen Zweck ein Netzwerk hat, also wenn ich Innovation haben will, dann ist ein Altherrenclub oder auch ein Netzwerk von Frauen unter 20 oder 25 vielleicht nicht das Wahre. Dann brauche ich genau diese Diversität, die Sie ja auch vorher genannt haben. Denn dadurch wird es interessant, dadurch kommen neue Ideen. Eine Frage ist natürlich auch: Inwieweit sind XING oder LinkedIn interessant, bringen sie wirklich etwas? Ich höchst persönlich...

Prüller: Das sind die virtuellen Netzwerke?

Risku: Die virtuellen elektronischen Netzwerke, wo man immer wieder diese Nachrichten bekommt, der oder der sich einloggt, und er möchte sie als Kontakt zufügen und hat schon so und so viele Kontakte, das ist sozusagen die Währung, an der man gemessen wird. Ich bin ein Verfechter - so wie es blended learning gibt, so auch blended networking. Also da ist sehr wohl klar, dass man dieses Virtuelle immer verknüpfen muss mit dem ganz Persönlichen. Ich denke, es kann kaum ein Vertrauen hergestellt werden rein virtuell, nur weil ich von dem viel gesehen habe am Bildschirm, ich muss den Menschen wirklich selbst sehen und riechen können. Man ist ja auch im pädagogischen Bereich längst abgegangen vom E-learning, als rein virtuelles Lernen, weil man erkannt hat, dass die drop-out-Rate so hoch ist. Man bleibt nicht dabei, weil es diese soziale Verbundenheit nicht gibt, die Sie vielleicht auch im Lehrgang gehabt haben. Blended learning hat sich da viel sinnvoller erwiesen, und das denke ich auch bei networking. Dass man einfach immer wieder die persönlichen Kontakte suchen muss, wenn man das tatsächlich als nachhaltiges Netzwerk behalten will.

Teilnehmer 1: Mein Name ist Manuela Lindlbauer, ich habe eine Personalberatung und für mich ist Netzwerken sehr wichtig. Die Frage ist, man will ja doch in ein Netzwerk, wo die wirklich Wichtigen sind, erste Ebene oder die Einflussreichen. Vielleicht hat das Podium irgendwelche Tipps, denn ich kann mir vorstellen, dass viele dasitzen, die eigentlich gern in wirklich interessanten Netzwerken wären. Die Frage ist nur, wie komme ich dorthin. Was kann ich tun. Ich habe zum Beispiel ein gutes Netzwerk in meinem Bereich, auch in der Wirtschaft, aber überhaupt kein politisches Netzwerk. Soll ich da jemanden anrufen, soll ich Frau Glück engagieren, oder was tu ich da jetzt, dass ich in ein anderes Netzwerk komme, das mir letztendlich ja auch etwas bringen soll.

Prüller: Damit sind wir bei der Technik angelangt. Wer möchte denn da als erster darauf antworten? Wie kommt man zum Beispiel in ein politisches Netzwerk?

Glück: Ich glaube, die Frage, wie komme ich in ein politisches Netzwerk, da müssen Sie vorher klären, in welches. Aber auf Grund der Tatsache, dass die Kernwählerschichten oder die Parteimitgliedschaften ja relativ stark zurückgehen, vor allem bei den großen Parteien, sind die Parteien natürlich extrem daran interessiert, auch immer wieder neue Leute bei Veranstaltungen zu sehen, auch Leute, die sich einbringen. Ich kann nur sagen, wahrscheinlich kann man es sogar über die Homepages machen, dass man sich einfach anschaut, wo gibt es welche Veranstaltungen, welches Thema interessiert mich. Man kann ja auch unverbindlich, wo man nicht sofort irgendwo eine Mitgliedschaft unterschreiben muss, einfach wohin gehen, um sich das einfach anzuhören. Und dann ergeben sich automatisch auch Gespräche. So können Sie langsam in einen Bereich einsteigen, vor allem auch, wenn Sie sich einbringen wollen. Wenn Sie in ein politisches Netzwerk einsteigen wollen, kann ich Ihnen nur empfehlen, gehen Sie zu den Veranstaltungen, hören Sie sich das an und überlegen Sie einfach, wie weit Sie sich wo einbringen möchten.

Friedschröder: Ich glaube, dass man sich davon loslösen muss, dass im Netzwerk nur die Personen und Beziehungen im Vordergrund stehen. Sie haben beim Netzwerken immer zwei Ebenen. Das eine ist das Soziale, Beziehungen, Personen, das Zweite ist die thematische Ebene. Und wenn man das losgelöst betrachtet, oder nur die soziale Ebene betrachtet, dann funktioniert das nicht. Egal, ob das jetzt beim Herrn Scharinger ist oder in einfachen beruflichen Situationen, wenn Sie nicht die Aufmerksamkeit und die Themen, Ideen, Projekte, Innovationen haben, dann ist ein Netzwerk sinnlos. Netzwerke sind Infrastruktur für Opportunitäten, soziale Infrastruktur. Die können Sie nutzen. Aber Sie brauchen etwas, was Sie über das Netzwerk transportieren. Und das sind Themen, etc. Wenn Sie ein gutes Thema, wie auch immer, haben, und mit dem Sie auch bei Scharinger zu einem guten Thema kommen, ist es nicht schwer. Dann brauchen Sie nur die Schritte dazwischen aufzuzeichnen, wenn Sie ein gutes Thema haben.

Schulak: Ohne den Herrn Scharinger zu kennen, er tut mir fast schon leid. Er wird da verfolgt, da gibt es vielleicht auch Agenturen, die bei seiner Verfolgung unterstützend wirken, und dann sitzt er in der Sauna, und da kommt jemand hinter dem Handtuch hervor, und das ist alles organisiert. Wie in einem Spionagefilm. Das ist eigentlich zum Fürchten, wie Sie das geschildert haben, wie so etwas läuft. Da verstehe ich, dass dann die Leute Bodyguards engagieren müssen, sich zurückziehen und schützen, und vielleicht auch aggressiv werden, wenn ihnen da die Leute auflauern. Das ist auflauern! Das ist dann nicht mehr networking.

Prüller: ...eine gewisse glatte Unverbindlichkeit für den Außenkontakt entwickeln, wenn man...

Schulak: Ganz schrecklich.

Prüller: Stalking.

Friedschröder: Was am Netzwerken auch interessant ist: dass wir immer viel zu direkt denken. Wer ist jetzt im Netzwerk oder wer könnte mir diese Information beschaffen. Die Frage ist aber eher die des Indirekten. Wen im Netzwerk kenne ich, der vielleicht weiß, wer wen kennt. Und das ist auch die Frage an Sie. Wer kennt jemanden, der Zugang zu Scharinger, zu dem Thema hat. Es ist immer dasselbe, wir denken viel zu sehr in einer Linie. Netzwerke bestehen ja aus mehreren Linien. Und dann muss man sich darüber Gedanken machen, wen frage ich in welchem Umfeld, oder wen frage ich, der das wissen könnte. Das Indirekte ist eine wesentliche Sache, glaube ich.

Prüller: Was ist eigentlich das Netzwerk, in dem Sie drinnen sind, das Ihnen am wichtigsten ist? Was ist Ihr Netzwerk und was passiert mit den alten Seilschaften? Oder sind das überhaupt keine Netzwerke, weil Seilschaft ja etwas anderes ist, linear, und weil ein Netzwerk ja dreidimensional ist? Wer möchte anfangen?

Friedschröder: Sie haben es gesagt; diese Seilschaften, die sind abgegrenzt. Da gibt es 3, 4, 5, die irgendetwas beschließen und das dann machen. Ich glaube, dass das zurückgeht. Wahrscheinlich wird es das in 10 Jahren auch noch geben, aber ich glaube, viel weniger. Was mehr wird sind diese transparenten, professionellen Netzwerke, die aber nicht nur auf Bereiche abgegrenzt sind. Es gibt heute Netzwerke, z. B. Politik plus Gesundheit, das ist vernetzt. Es gibt natürlich Politik und Wirtschaft, Politik und Kunst, also diese Grenzen verschwimmen. Das wird alles untereinander auch vernetzt. Und ich glaube, dass da diese ganze Transparenz und Komplexität immer mehr greifen wird, und dass das auch zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wahrscheinlich wird das Wörtchen Networking aussterben, weil es auch ein Modewort ist. Aber die Mechanismen werden ähnlich bleiben. Das Netzwerk muss für irgendetwas gut sein. Das kann jetzt irgendwohin befördern, aber ich glaube, dass der Inovationsgedanke für mich fast der interessantere in den Netzwerken ist.

Glück: Mein Netzwerk ergibt sich aus meiner Sozialisation, aus meiner beruflichen, und die ist halt die Spitzenpolitik und die Spitzenwirtschaft und der Journalismus natürlich. Das ist ein ganz wesentliches Element, vor allem, wenn man gerade zwischen Politik und Wirtschaft vermittelt und manche Dinge. Auch als PR-Berater kommt man am Journalismus nicht vorbei. Das ist natürlich auch bei meinem Umstieg von der Politik als Unternehmer letztlich meine Basis, von der ich heute auch lebe und profitiere, dass ich eben diese Netzwerke vor allem an diesen Schaltstellen auch nutzen kann, und dafür werde ich bezahlt.

Prüller: Ganz konkret gefragt: Hat der CV auch noch eine Bedeutung innerhalb der ÖVP oder sind das längst andere Mechanismen?

Glück: Na ja, ich glaube, dass die Bedeutung zurückgegangen ist; vielleicht war das früher. Es hängt aber auch immer damit zusammen, dass der Bundeskanzler, unter dem ich gearbeitet habe, kein CVer war. Da war das sozusagen nicht die große Relevanz. Die wäre, wenn jemand aus dem CV Bundeskanzler oder Minister und so wird. Soviel ich weiß, sind da die Verbindungen schon noch relativ eng, hätte es auch mehr CVer als Minister gegeben. Das weiß ich jetzt nicht so genau. Aber ich glaube, dass die alten Netzwerke schon noch sehr gut funktionieren, mir fällt da immer auf, ich krieg manchmal Einladungen vom Rotary-Club, Lions-Club, die sich ja immer meist Mittwoch zu Mittag für drei Stunden treffen. Ich wundere mich immer, dass die Leute Zeit haben. Für Mittagessen und so. Die sind schon sehr eng, das ist auch sehr straff. Da muss man hingehen, da werden Punkte vergeben, wenn man nicht hinkommt, oder man muss sich rechtfertigen, wenn man 4/5 der Termine nicht wahrnimmt.

Da würde ich Frauen auch ermutigen, in diese Frauennetzwerke, die sich jetzt ja auch bilden, durchaus offen hineinzugehen. Das sind im Moment die Engagiertesten, soweit ich das jetzt seh, weil ich ja auch oft als Referentin gefragt bin. Kann ich nur empfehlen. wir haben da einige hundert Jahre verschlafen, was Männer schon seit ewigen Zeiten tun. Und der Punkt ist, das ist mir schon aufgefallen, auch z. B. bei Personalbesetzungen, auch in der Politik: Männer haben immer schon, wo Ausschreibungen gelaufen sind, das vorher ausgemacht gehabt, und zwar genau in diesen Runden. Und Frauen haben geglaubt, sie schauen einmal auf die Qualifikation, überlegen sich zuerst, ob sie das überhaupt können, fragen irgendwie viele Leute, ob man ihnen das zutraut, inzwischen ist der Job schon lang vergeben. Also auf in die Netzwerke, kann ich nur sagen, und ich denke schon, dass das etwas ist, das man wirklich auch für sich nützen kann.

Prüller: Vielen herzlichen Dank. Und (zu Schulak) die Philosophie zum Schluss?

Schulak: Meine Netzwerke haben sich anfänglich durch die Professoren ergeben, bei denen ich studiert habe; dann durch Unternehmen, für die ich gearbeitet habe. Wenn man seine Sachen gut gemacht hat, dann ist man empfohlen worden. Wenn man sie weniger gut gemacht hat, weniger oft, und wenn man sie nicht gut gemacht hat, gar nicht. Da ergibt sich das, durch die Arbeit bleibt etwas hängen. Das sind Netzwerke, die entwickeln sich. Und dann gab es natürlich auch Menschen, die ich, ab und an einige, mir direkt herausgeholt habe, weil ich gedacht habe, mit dem will ich zu tun haben, da interessiert mich, was der macht; dem will ich Fragen stellen, mit dem möchte ich reden, da habe ich echtes Interesse. Und das haben die Leute dann auch gemerkt, dass das Interesse ist. Denen bin ich nicht auf die Nerven gegangen. Die haben gemerkt, der will wirklich etwas. Nicht nur Geld von mir, vielleicht auch, das ist ja keine Schande; aber es muss ein Interesse da sein, das merkt man ja auch. Also so hat sich das entwickelt, unabhängig davon, aber so natürlich ist es ja gar nicht. Es ist schon ein Geschenk. Es entwickeln sich ab und an Freundschaften, die führen eben dann auch zu diesen Problemen, von denen wir auch schon gesprochen haben. Dass das dann - Freundschaften und Geld - so eine komische Melange ist, was manchmal passen kann und manchmal nicht. Das kommt darauf an, man kann es gar nicht generalisieren. Aber ich bin davon überzeugt, dass man so ein Netzwerk, wie man das nennen will, ein Geflecht, braucht. Das ist ganz wichtig. Allein ist man verloren. Ich glaube, das ist klar, da braucht man gar nicht zu debattieren, dass das wichtig ist.

Prüller: Vielen Dank. Also wir sind heute Zeuge geworden, Networking ist der Triumpf über die Einsamkeit, aber auch über die starren hierarchisch-mechanischen Beziehungen. Das war für mich ein sehr spannender Abend. Ich hoffe, für Sie auch, so spannend, dass Sie jetzt schon recht nervös sind um das auszuprobieren, was wir jetzt alles besprochen haben.