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Über die Erziehung

mit Roland Düringer und Rahim Taghizadegan
Salzburg 2013
Ecowin Verlag
192 Seiten, broschiert, EUR 14.90,-
ISBN 978-3711000262

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Inhalt

Zum Geleit
Über die Liebe als Voraussetzung
Danksagung
über Bildungssysteme und Bildungsreformen
Was Bildung von der "Bildung" unterscheidet
über die Schule und die Rolle des Lehrers
über die Begeisterung, Wissen zu vermitteln
Lehrer, die entbehrlich sind, und Lehrer, die begeistern
über das Wort "erziehen" und den Beruf des Erziehers
Kein Ruhmesblatt oder wie man lernt, in Zweierreihen zu gehen
über den berechnenden Nutzen
Aus meinem Vortrag (1)
über das Essen und die Bequemlichkeit
Aus meinem Vortrag (2)
Erziehung als Vorleben von lebenswichtigen Verhaltensweisen
Aus meinem Vortrag (3)
über das bewusste Begleiten zu einer Erfahrung hin
Reifeprüfung
über die Erziehung zur Unmündigkeit
Gibt es eine Natur des Menschen?
Aus meinem Vortrag (4)
über Zucht und Züchtung
Erziehung zur Multikulturalität
Kann man sich selbst erziehen? (Teil 1)
Fußwaschung
Kann man sich selbst erziehen? (Teil 2)
Aus meinem Vortrag (5)
Erziehung zur Selbsterziehung
Was Politik von der "Politik" unterscheidet
über die Erziehung von Kindern (Teil 1)
Ein Bücherhaushalt und ein endloses Gespräch
über die Erziehung von Kindern (Teil 2)
über das schöne Sprechen
über die Fremderziehung als Folge mangelnder Selbsterziehung
Aus meinem Vortrag (6)
über die Erziehung von Unerzogenen und Unerziehbaren
über das Schweigen
Was ist gute Erziehung heute?
Warum die Erziehung ein lebenslanges Thema ist
Kinder lieben eigenständige Erfahrungen
Der Erzieher kann vom Zögling viel lernen
Was das Lernen vom Erzogenwerden unterscheidet
Was Rattenkinder intelligent macht
über Erziehungsmethoden
Aus meinem Vortrag (7)
über die Tugend der Achtsamkeit
Wenn jemand um Erziehung bittet
Soll Autofahren verboten werden?
über die Tugend des Maßhaltens
Pikante Fragen an der Tankstelle
PlayStation ja oder nein?
Schluss
Die Turnstunde, ein Nachspiel
Paläo-Kekse

Zum Geleit

Getragen wird dieses Buch von drei Menschen, die Freunde geworden sind. Ihre Freundschaft hat einen speziellen Hintergrund: die Freude am Philosophieren. Diese Freude hat die drei zusammengebracht und ohne sie hätte man sich vermutlich niemals kennengelernt.

Was bringt uns auf den Plan, ein Buch über Erziehung zu schreiben? Nun, wir haben es uns zur guten Gewohnheit gemacht, regelmäßig philosophische Gespräche zu führen, über Gott und die Welt sozusagen. Dabei ist uns schon vieles untergekommen, unter anderem auch das, was so landläufig als "Erziehung praktiziert wird. Schließlich sind wir ja alle einmal erzogen worden und können uns noch gut erinnern, wie es damals war. Auch haben wir Augen im Kopf und können sehen, was rund um uns geschieht. Jedenfalls hat uns das Thema nicht mehr in Ruhe gelassen, sodass wir unsere Philosophische Küche im Institut für Wertewirtschaft (www.wertewirtschaft.org) für ein paar Tage gar nicht mehr verlassen wollten. Freilich sind wir zwischendurch auch hinüber in unsere Bibliothek gegangen, um ein paar Dinge nachzuschlagen. Doch die meiste Zeit sind wir in der Küche, an unserem Herdfeuer geblieben und haben darüber nachgedacht, was Erziehung im Grunde ist, was sie im Idealfall ist, was sie im Normalfall ist und auch, warum sie gar nicht so wichtig ist, wenn man sie erst einmal überlebt hat und erwachsen geworden ist. Dabei haben wir Kaffee getrunken und Kekse gegessen, weil es schon Winter und draußen ziemlich finster war. Es waren einige beschauliche Nachmittage, die wir uns auf diese Weise um die Ohren geschlagen haben.

Mittlerweile ist aus diesen Nachmittagen ein Buch entstanden, in das wir nachträglich noch allgemeine Gedanken und persönliche Erinnerungen eingefügt haben. Unsere Gespräche jedenfalls sind in weiten Zügen erhalten geblieben und zum Kern des Textes geworden. Das war uns ein Anliegen, weil das Denken ganz grundsätzlich in und aus der Bewegung lebt. Gedanken, und zwar solche, die in der philosophischen Tradition als "Denken" bezeichnet werden, geben nur dann Sinn, wenn sie auf andere Menschen treffen, die sie aufnehmen und weiterverfolgen können. Die Praxis der Philosophie liegt im Gespräch. Und alle Philosophie hat auch ihren Ursprung im Gespräch, mit Menschen, mit Büchern, mit dem Leben als Ganzes. Sie entsteht durch Konfrontation. Irgendwann einmal beginnen die Gedanken sich auch zu verselbstständigen. Dann hat man das Denken erlernt. Aber ob es auch richtig ist, was man denkt, weiß man erst, wenn es sich in der Praxis bewährt, wenn man das Gedachte wieder über die Lippen bringt und in der Reaktion der anderen neu erfährt, wenn man es in Handlungen umsetzt und erlebt, wie es wirkt, und vor allem: ob es sich so auswirkt, dass es gut und richtig ist, für einen selbst und auch für jene, die einem lieb und teuer sind.

Zum Thema der Erziehung, das unsere Philosophische Küche diesmal beschäftigt hat, vorweg noch Folgendes: Wir wollen uns selbst nicht als Erziehungsberechtigte aufspielen, die anderen Menschen vorschreiben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Das liegt uns nicht und steht uns nicht zu. Darum haben wir auch kein Anleitungsbuch mit Rezepten verfasst, keine modische "Erziehungsmethode" erfunden, die wir mit Anglizismen schmücken und lizenzieren lassen. Unsere Aufgabe besteht darin, zum Nachdenken anzuregen. Das gelingt uns am besten, indem wir selbst nachdenken und den Leser beim Nachdenken zusehen lassen.