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Das Ende der Wut

mit Roland Düringer und Rahim Taghizadegan
Salzburg 2012
Ecowin Verlag
88 Seiten, broschiert, EUR 14.90,-
ISBN 978-3711000262

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Buchbesprechung

29. Mai 2012 Verlagsbuchhandlung Morawa, Wien
(ein Gespräch mit Roland Düringer, Rahim Taghizadegan und Eugen-Maria Schulak)

 

Aus dem Inhalt

Wut ist ein Lebenszeichen. Wer wütend ist, merkt rasch, dass er noch am Leben und noch nicht vor die Hunde gegangen ist. Wie geht man heute vor die Hunde? Indem man zum Hamster wird. Indem man sich die Backen vollschlägt und sich alles unter den Nagel reißt, was man nur kriegen kann. Dazu gehört freilich, dass man beständig in seinem Hamsterrad läuft, das heißt irgendwelchen Tätigkeiten nachgeht, die man um nichts in der Welt freiwillig verrichten würde, außer natürlich gegen Geld (das man ja braucht, um sich alles unter den Nagel reißen zu können). Doch das Geld wird heute immer weniger (obwohl es komischerweise immer mehr davon gibt), sodass der kleine Hamster immer schneller laufen muss. Irgendwann hängt ihm dann die Zunge derart aus dem Maul, dass sie sich in der Achse seines Rades verfängt und ihm die Seele aus dem Leib reißt. Aus ist es dann. Besser noch, er stolpert vorher und fliegt einmal ordentlich durch seinen Käfig. Denn wenn er dann benommen in der Ecke sitzt, dämmert ihm vielleicht, dass das alles keinen Sinn mehr hat und dass er, wenn er so weitermacht, in der Tat vor die Hunde geht. Aber vielleicht wird er ja noch rechtzeitig wütend.

Es ist nicht wahr, dass Wut immer nur blind macht. Oft macht sie uns auch sehend, nämlich dann, wenn sie das Resultat einer tieferen Einsicht ist. Was könnte diese Einsicht sein? Vielleicht die Erkenntnis, dass ich nur ein Hamster bin, in einem Käfig sitze, mir die Backen vollschlage und mir kaufen kann, was ich will, dafür aber in meinem Hamsterrad laufen muss, bis mir die Zunge bis zur Klotür hängt. Wer will das schon? Niemand kann das wirklich wollen! Das ist ganz klar. Aber damit man es auch wirklich nicht mehr wollen kann, muss man erst einmal bemerken, dass es überhaupt so ist, wie es ist (das mit der Zunge und dem Rad). Und das ist gar nicht leicht.

Schauspieler und Philosophen – Und sie verstehen das als Angebot, nicht als Lösung. Das Angebot ist, in den Spiegel auch hineinzusehen und dass ich mich als Zuseher, Zuhörer oder Leser auch wirklich tief berühren lasse. Das ist der Sinn. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass jemand – womöglich gar ein Politiker (igitt) – den Geist und die Kraft haben könnte, die Probleme der Menschen zu lösen. Der Mensch ist alles, was man sich nur vorstellen kann. Niemand kann ihm sagen, wer er in Wahrheit ist und was er im Grunde zu tun hat. Was Schauspieler und Philosophen aber sehr wohl können (und das können Politiker definitiv nicht), ist beim Denken zu helfen. Im schlimmsten Fall langweile ich mich, weil der Spiegel nicht ordentlich geputzt ist und ich in ihm nichts für mich Wesentliches erkennen kann (wenn ich hingegen Politikern traue, bin ich im schlimmsten Fall tot). Im besten Fall ist der Spiegel, den mir die Schauspieler und Philosophen vorhalten, aber derart scharf, dass wertvolle Erkenntnisse in mir entstehen, die mir helfen, selbst Lösungen zu finden und meinen Weg zu gehen (wenn ich Politikern zuhöre, kann ich mich bestenfalls langweilen). Also: Nieder mit dem Hamsterrad und raus aus dem Käfig!