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Ein Philosoph für alle Fälle

Eugen-Maria Schulak, das philosophische Ein-Mann-Unternehmen

GABRIELE VASAK
Ärztemagazin Nr.41/Oktober 1999

 

Das Philosophicum für angehende Ärzte gibt es schon seit mehr als hundert Jahren nicht mehr. Wer allerdings trotzdem den Wunsch verspürt, sich mit den philosophischen Aspekten des Arztberufes auseinanderzusetzen, der kann das bei Dr. Eugen-Maria Schulak tun. Seit etwa einem Jahr betreibt er eine freie Praxis, in die jeder kommen kann, der Lust auf philosophischen Diskurs hat. In Wien ist Schulak der einzige, der ein derart gewagtes Unternehmen aufgezogen hat. Allerdings gibt es weltweit an die hundert solcher Praxen, und auch die Idee des "café philosophique" gilt mittlerweile vor allem in Frankreich als äußert schick.

Zu Eugen-Maria Schulaks Klienten zählen im übrigen nicht wenige Ärzte. Sein "medizinisches Standbein" hat der freie Philosoph im "Badener Kreis" rund um den Arzt und promovierten Philosophen Prof. DDr. Karl Spitzy, zu dem auch so illustre Gäste wie Alois Stacher, Giselherr Guttmann oder Maximilian Gottschlich zählen. Der interdisziplinäre Kreis versteht sich als "Diskussionsforum zum Studium der Wege zu einer Partnerschaft zwischen Arzt und Patient" und hat heuer erstmals ein – erfolgreiches - Symposion abgehalten.

 

Medizin und Philosophie

Die spirituelle Rolle des Arztes, die sich unter anderem aus philosophischen Konzepten von Martin Buber oder Gottlieb Fichte ableiten läßt, ist allerdings bei weitem nicht das einzige, womit Eugen Schulak Ärzte auf philosophischer Ebene befriedigen kann. Die Themen der medizinischen Ethik, Schnittpunkte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften und natürlich alles andere, was den philosophisch interessierten Menschen begeistert, diskutiert er mit seinen Klienten. Dafür macht er im Vorfeld auch Recherchen und kämmt passende Literatur durch, auf deren Grundlage dann handfest diskutiert werden kann: "Mit einer Psychiaterin, die den in der Psychiatrie herrschenden Determinismus hinterfragen wollte, habe ich über etliche Monate lang diskutiert. Sie wollte diesem von den Kollegen repräsentierten Standpunkt, der nicht der ihre war, profund entgegentreten können, und den philosophischen Hintergrund dazu haben wir in mehreren Sitzungen erarbeitet."

 

Arbeit ohne Dogmatismus

Vom Berufsstand der Psychotherapeuten grenzt sich der freie Denker allerdings klar ab. Seelendoktorei ist nicht sein Fachgebiet. Wer derartiges sucht, ist bei ihm an der falschen Adresse und wird auch umgehend an die Kollegen vom anderen Fach verwiesen.

Was ihn sonst noch von Psychotherapeuten unterscheidet ist die Tatsache, daß er weder mit seiner eigenen Meinung hinter dem Berg hält, noch dogmatisch einer bestimmten Schule anhängt. Allzu gut erinnert er sich noch an seinen Philosophielehrer aus der Klosterschule, der die Klasse fast ausschließlich mit Augustinus langweilte. Was ihn nichtsdestotrotz zur Philosophie hintrieb, denn im Gegensatz zu seinen Mitschülern, denen das nur ein Gähnen entlockte, reizte ihn der Dogmatismus des Augustinus-Anhängers zu konsequentem philosophischem Widerspruch.

Dogmatismus ist die Sache des Eugen Schulak bis heute nicht. Seine persönlichen Lieblingsphilosophen findet er im 19. Jahrhundert und in der Antike. "Schopenhauer, Nietzsche, Plato, ... das ist wirklich fruchtbares Material für mein persönliches Vorhaben, die Philosophie aus den elitären universitären Gefilden herauszuheben und den Menschen nahezu bringen."

Philosophische Praxis: 01/ 402 12 40