| Neofeudalismus Gab
es zur Zeit des klassischen Feudalismus bereits Bauernaufstände
Copyright: Eugen Maria Schulak Das Wort Feudalismus (frz. féodalité),
das wahrscheinlich auf gotisch faihu (Vermögen) zurückgeht,
bezeichnete im Frankreich des 18. Jahrhunderts die Gesamtheit der durch
Adel, Grundherrschaft und Lehen bestimmten Normen. Die Soziologie des
19. Jahrhunderts führte "Feudalismus" dann als Gegenbegriff zu "Kapitalismus"
ein und verstand darunter eine Gesellschaftsform, deren Hauptmerkmal
ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Großgrundbesitzern und den auf
deren Land sitzenden Bauern und Pächtern ist. Diesen Zwang gibt es heute immer
noch, vielleicht mehr denn je, so dass man durchaus von einem Neofeudalismus
sprechen kann. Die Anführer der Neofeudalen sind die Vertreter
des derzeit herrschenden Systems, d.h. Politiker, hohe Beamte, Gewerkschafter
und Kammervertreter, die das politische Einkommen festlegen und durchsetzen.
Ihre Anhänger finden sich vorwiegend bei jenen, die den Staat als
einzige Einkommensquelle haben und für die jene „wohlerworbenen
Rechte“ eine Überlebensfrage sind. Anführer wie Anhänger
sind demnach Staatsbenefiziare, d.h. Empfänger von staatlichen
Apanagen, mit deren Hilfe sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Historisch betrachtet war es der
Liberalismus, der erstmals gegen den Feudalismus auftrat und ihn aufbrechen
wollte. Dies erklärt, warum jene, die heute auf die (Neo)Liberalen
schimpfen, ausschließlich aus der Ecke der Neofeudalen kommen.
Die ängstliche Wut der Neofeudalen gleicht der wütenden Angst
der klassischen Feudalherrn aufs Haar. Diese Wut ist der alte Reflex
gegen den Liberalismus, der die parasitäre Existenz der Feudalen
schon damals in Frage stellte.
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